Durchblick bei der Hochwasservorsorge

Die Flut im Ahrtal im vergangenen Jahr hat uns auf dramatische Weise gezeigt, wie zerstörerisch Starkregen und Hochwasser wirken können. Konzepte zu Hochwasserschutz und Starkregenvorsorge wurden bereits zuvor in vielen Kommunen erstellt. Deren Umsetzung wird aktuell mit immer mehr Nachdruck vorangetrieben.

In diesen örtlichen Vorsorgekonzepten analysieren die Kommunen zunächst die aktuelle Situation. Darauf basierend werden Risiken und Maßnahmen definiert, um Überflutungen und Schäden bestmöglich vorzubeugen. Diese gilt es anschließend umzusetzen – sowohl im öffentlichen Raum als auch durch private Hand, wenn es sich um private Grundstücke handelt.

Wichtig ist dabei, angesichts zahlreicher unterschiedlicher Maßnahmen und einer teils über Jahre dauernden Umsetzungsphase, den Überblick nicht zu verlieren. Die VG Altenkirchen-Flammersfeld hat deshalb die Initiative ergriffen und für mehr Überblick gesorgt.

Grundlage: Geoinformationssystem

Viele Kommunen nutzen ein Geoinformationssystem (GIS), um Maßnahmen und Planungen digital zu kartieren, zu verwalten und zu speichern. Oft fehlt aber die Möglichkeit, alle vorhandenen Detail-Informationen zu jedem einzelnen Projekt im System zu hinterlegen.

„Wir arbeiten häufig mit unserem Geoinformationssystem, um Daten zu erfassen, zum Beispiel bei Anträgen für Hausanschlüsse. Bei der Erstellung des Hochwasservorsorgekonzepts stellte sich dann aber die Frage, wie man sich innerhalb des Systems alles auf einmal vor Augen halten und die vielen Maßnahmen im Blick behalten kann“, erklärt Thirza Selvi von der VG Altenkirchen-Flammersfeld.

Zusatzmodul zur Informationsspeicherung

Die Verbandsgemeinde Altenkirchen-Flammersfeld ist deshalb einen Schritt weiter gegangen. Für die 66 Ortsgemeinden und die Stadt Altenkirchen hat sie mit Unterstützung der OrgaSoft KommunalGmbH ihr Geoinformationssystem so erweitert, dass alle vorhandenen Daten für jede einzelne Maßnahme hinterlegt werden können. „Denn genau das ist wichtig, damit alle Beteiligten aus den unterschiedlichen Kommunen und Werken einen kompletten Überblick haben und die Beteiligten alle auf dem gleichen Stand sind“, betont Selvi.

Dafür wurde ein kleines Fachkataster programmiert, genannt KiS-KAT-HSVK. Darin können alle Maßnahmen des Hochwasservorsorgekonzepts für die 225 Quadratkilometer große Fläche mit farbigen Punkten in der Karte markiert und unter der schon im Konzept vergebenen Maßnahmennummer abgespeichert werden.  

So erhält jeder Nutzer auf Anhieb einen guten Überblick über Anzahl und den aktuellen Stand der Projekte. Blaue Punkte symbolisieren Maßnahmen auf Privatgelände, Maßnahmen der öffentlichen Hand sind je nach Projektstand eingefärbt: rot = neu, noch nicht umgesetzt, gelb = in der Umsetzung oder grün = bereits umgesetzt und abgeschlossen. Bei Änderung des Verfahrenstands ändert sich automatisch auch die Farbe. In die Karte wurden zusätzlich die Abflusskonzentrationen eingetragen, was nochmals die Abflusswege und die Gefahrenstellen deutlich vor Augen führt.

Einfach und unkompliziert

Die Handhabung des Systems ist laut Selvi einfach: „Man kann die Infos dazuschalten, die man gerade benötigt, und kann beispielsweise auch den Stand der Förderung oder die notwendigen Wasserrechte einsehen.“ Zu jeder Maßnahme können die Mitarbeitenden zusätzlich zur Maßnahmen-Nummer den Rechts- und Hochwert, eine Kurzbeschreibung und einen groben Kostenansatz, den Umsetzungshorizont und weitere Dokumente, beispielsweise Bilder, hinterlegen.

Auch der Datenimport ist unkompliziert: Alle Daten zu den einzelnen Punkten können entweder einzeln oder in einer gebündelt in einer Excel-Tabelle importiert werden.

Der Vorteil dieser Lösung: Sämtliche Daten sind in einem System gespeichert und verfügbar. Das heißt, alle beteiligten Abteilungen können darauf zugreifen. Damit kann zum Beispiel nicht nur der Sachbearbeiter Gewässer, sondern auch das Tiefbauamt, die Bauleitplanung oder die Baugenehmigungsbehörde sehen, welche Maßnahmen gerade wo und wie umgesetzt werden. Dadurch wird die Hochwasser- und Starkregenvorsorge transparenter und leichter zu handhaben, was auch die Umsetzung der Projekte beschleunigt und das Bewusstsein stärkt.

Bisher wurden 400 Vorschläge für Einzelmaßnahmen ins Konzept aufgenommen – für private Grundstücksbesitzer wie auch für die öffentliche Hand. Die Maßnahmen werden zusätzlich für jede Ortsgemeinde nochmals in einem Einzelkonzept zusammengefasst und aufgearbeitet. Erste Maßnahmen sind bereits in der Umsetzung – und alle Informationen dazu sind selbstverständlich im neuen System dokumentiert.

Kontakt:
Thirza Selvi
Verbandsgemeindewerke Altenkirchen-Flammersfeld
Fachbereich 6 – Kommunale Betriebe
Telefon: 02681 / 85-184
E-Mail

Homepage: www.vg-altenkirchen-flammersfeld.de

 

Kommunen Machen Klima – Nachmachen erwünscht!

Klimawandel und Energiewende sind Herausforderung und Chance zugleich. Den Kommunen kommt bei ihrer Bewältigung eine zentrale Rolle zu – sie gestalten mit ihren Entscheidungen, Maßnahmen und Projekten die Zukunft ihrer Bürgerinnen und Bürger. Und sie sind in vielen Fällen Vorbilder beim Einsatz für den Erhalt einer lebenswerten Umwelt.

Eine Reihe von besonders gelungenen Beispielen präsentieren wir nun regelmäßig an dieser Stelle: erfolgreiche Projekte, innovative Lösungen, ermutigende Erfolge, Chancen für die Zukunft. Alle zwei Wochen, immer dienstags finden Sie hier einen neuen Beitrag – verbunden mit der Hoffnung, dass die vorgestellten Taten möglichst viele Nachahmer finden werden. Denn der interkommunale Austausch kann Klimaschutz, Energiewende und eine klimaangepasste Entwicklung beflügeln. Kurz: Nachmachen ist ausdrücklich erwünscht!

Weitere Best-Practice-Beispiele