Hintergrund

Die Erhaltung und Stärkung der Resilienz der Wälder ist oberstes Ziel von Landesforsten. Mit Resilienz verbinden wir die Fähigkeit, Funktionen und Leistungen nach Störungen aufrechtzuerhalten bzw. wiederherzustellen. Eng damit verknüpft ist größtmögliche biologische Vielfalt: Neben der Vielfalt an Waldtypen tragen die Baumartenvielfalt und die genetische Vielfalt dazu bei, dass Organismen sich anpassen können und Ökosysteme funktionsfähig bleiben. Mit den erwarteten klimatischen Entwicklungen sind vielfältige Veränderungen der Böden, Mikroorganismen, Insekten, Begleitarten und natürlichen Gegenspieler verbunden, um nur einige Beispiele zu nennen.

Je stärker der Klimawandel, umso mehr stoßen viele etablierte Baumarten in 80 Jahren an die Grenzen des Wachstums und der Überlebensfähigkeit. Um dennoch größtmögliche Vielfalt und Anpassungsfähigkeit an den Klimawandel zu erhalten, kann auch die Einbringung ergänzender Baumarten ein wertvolles Mittel sein. Dabei gilt es, die Risiken (Schaderreger, Invasionspotential) möglichst gering zu halten. Arten aus dem eurasischen Kontakt- und Übergangsbereich gelten als besonders vielversprechend. Aufgrund der Koevolution mit heimischen Gattungen können sich die neuen Arten mutmaßlich risikoarm in unsere Ökosysteme integrieren. Folgende Baumarten aus Südeuropa, Westasien und Nordafrika wurden im Rahmen der Untersuchungen bewertet:

 


 

Hilfsmittel zur Einbringung ergänzender Baumarten

Die mischungsweise Einbringung von ergänzenden Baumarten ist als Maßnahme zur Förderung der Anpassungsfähigkeit unserer Wälder im Klimastress zu verstehen. Details zum konkreten Vorgehen bei der Wiederbewaldung von Kahlflächen nach Schadereignissen finden sich in der landesspezifischen „Grundsatzanweisung Waldverjüngung im Klimawandel“ (Landesforsten, 2020). Zur Erleichterung der Einbringung wurden für die genannten ergänzenden Baumarten das Klima auf Basis ihres natürlichen Verbreitungsgebietes bewertet und literaturbasiert Informationen zusammengetragen. Diese stehen in Form von Steckbriefen für die Praxis zur Verfügung (siehe rechte Spalte). Die vollständigen Steckbriefe (Kürzel „lang“) umfassen neben der Bewertung der Baumarteneignung im zukünftigen Klima in Rheinland-Pfalz Einschätzungen zu folgenden Aspekten:

•    Ansprüche an die verschiedenen Standortfaktoren
•    waldwirtschaftliche Erfahrungen und Hinweise
•    Wuchs- und Ökosystemleistungen
•    Holzeigenschaften, Verwendungsmöglichkeiten und wirtschaftliches Potential
•    biotische und abiotische Risiken
•    Potentiale für Naturschutz und Biodiversität

Zur einfacheren Handhabung für die Praxis sind die wichtigsten Informationen jeweils zusätzlich in einer kompakten Kurzfassung dargestellt (Kürzel „kurz").

 

Potenziale von Laub- und Nadelbaumarten

Die zehn bewerteten Laubbaumarten finden bereits heute in weiten Teilen von Rheinland-Pfalz ein Klima vor, welches zu großen Teilen dem ihres natürlichen Verbreitungsgebietes entspricht. Die geringsten Übereinstimmungen sind bei dem Zürgelbaum (Celtis australis), der Silberlinde (Tilia tomentosa) und der Baumhasel (Corylus colurna) zu sehen. Für Silberlinde und Walnuss (Juglans regia) verschlechtern sich die Bedingungen in der Oberrheinebene, für alle anderen Laubbaumarten ist von einer gleichbleibenden oder zunehmenden Eignung bis Ende des Jahrhunderts auszugehen.

 

 

Von den sechs bewerteten Nadelbaumarten finden die Bulgarische Tanne (Abies borisii-regis) und die Libanonzeder (Cedrus libani) heute und auch im zukünftigen Klima in weiten Teilen von Rheinland-Pfalz sehr ähnliche klimatische Bedingungen vor wie in ihrem natürlichen Verbreitungsgebiet. Die heute schon guten Bedingungen für die Griechische Tanne (Abies cephalonica) verbessern sich im zukünftigen Klima noch. Bei der Atlaszeder (Cedrus atlantica) verbessert sich das gegenwärtig in den Mittelgebirgen noch zu kühle Klima. Für die Türkische Tanne (Abies bornmülleriana) und die Korsische Schwarzkiefer (Pinus nigra laricio) deutet die Bewertung auf eine rückläufige Eignung hin, so dass sie als ergänzende Baumarten nur an besonders geeigneten Standorten empfehlenswert sind.

Weiterführende Informationen zur Handhabung der Artensteckbriefe, zu Grenzen und zur Interpretation der Eignungsbewertungen sowie zur Methodik finden sich in folgenden Dokumenten:
•    Erläuternde Hinweise
•    Präsentationsfolien Ergänzende Baumarten