Das Coaching in der Verbandsgemeinde Kaisersesch

Das Coaching zur Klimawandelanpassung wurde in der Verbandsgemeinde Kaisersesch offiziell im Mai 2019 gestartet. Vorab fand bereits ein Erstgespräch in kleinem Rahmen am 19.03.2019 statt. Nach der Erfassung und Bewertung der klimatischen Ausgangsposition (Vergangenheit, Ist-Zustand, Zukunft) und einer Betroffenheits- und Gefährdungsabschätzung (Vulnerabilitätsanalyse) durch den KlimawandelanpassungsCOACH erfolgte am 15.08.2019 der 1. Workshop zur Ausarbeitung von Klimaanpassungsmaßnahmen mit 8 Teilnehmern aus der Politik und der Verwaltung. Der Workshop beschäftigte sich mit den DAS-Handlungsfeldern Gesundheit, Land- und Forstwirtschaft, Wasser, Boden, Bauleitung, Bauwesen und Versicherung-, Bevölkerungs- und Katastrophenschutz. Im gemeinsamen Dialog konnten 18 Maßnahmenvorschläge erarbeitet werden. Aus den Vorschlägen wurden die wichtigsten Maßnahmenvorschläge durch den AnpassungsCOACH in Steckbriefe (12) überführt.

Maßnahmen

Folgende Maßnahmen wurden im Workshop entwickelt:

  • Aufbau eines Klimaanpassungsmanagements
  • Aufstellung von kommunenspezifischen Leitlinien zur Klimaanpassung
  • planungsrechtliche Festsetzungen (Satzungen) und Integration in die Bauleitplanung
  • Initiierung eines Runden Tisches zum Wassermanagement
  • starkregenvorsorgender Waldwegebau
  • Renaturierung von Gewässern
  • Beantragung eines Hochwasservorsorgekonzeptes für das VG-Gebiet
  • Ökologisch sinnvolles Grünflächenmanagement
  • Sensibilisierungskampagne für die Bevölkerung zur Gestaltung von Vorgärten & Mitmachaktionen zur Vorgartenumwandlung/gestaltung
  • Identifizierung besonders erosionsgefährderter Bereiche und landwirtschaftliche Beratung
  • klimagerechter Waldumbau, Baumartenempfehlungen im Klimawandel
  • Waldbrandvorsorge
  • Sensibilisierungskampagne zu klimaangepasstem Bauen mit Holz
  • Dach- und Fassadenbegrünungen
  • Ausbau der Öffentlichkeitsarbeit in klimawandelrelevanten Themen
  • Info-Veranstaltung Klimawandel
  • Vortrag des KlimaCoach in einer Sitzung des VGR

Weitere Kernelemente des Coachings waren die Einbettung des Projekts in die eigene Webpräsenz die Vorstellung der Zwischenergebnisse auf dem größeren Netzwerktreffen der beteiligten Modellkommunen am 29.10.2019 in Annweiler am Trifels sowie die Information und Sensibilisierung der Bevölkerung in Lokalmedien.

 

 

Klimawandel im Raum Kaisersesch

Die Verbandsgemeinde Kaisersesch liegt am Rande der Eifel, zwischen Ost- und Vulkaneifel etwa 12 Kilometer nördlich der Mosel. Am westlichen Rand Deutschlands gelegen, ist das Klima der Osteifel vom Einfluss des Atlantiks geprägt. Verhältnismäßig milde Winter und relativ kühle, niederschlagsreiche Sommer sind für dieses Klima charakteristisch. Überwiegend westwindgeprägt fällt der Großteil des Niederschlags an den westexponierten Hängen, relativ trockenes und mildes Klima herrscht im Wind- und Regenschatten der Hocheifel. Die Jahresmitteltemperatur in Kaisersesch beträgt 8,5 °C und der mittlere Jahresniederschlag liegt bei etwa 750 mm. Da die Verbandsgemeinde hinsichtlich ihrer Topographie sehr gegliedert ist, weichen die Temperatur- und Niederschlagswerte dementsprechend von den hier aufgeführten Mittelwerten je nach Lage nach oben bzw. unten ab.

Temperaturentwicklung

Entwicklung der Jahresmitteltemperatur im Raum Kaisersesch seit von 1881 bis 2018.

Die Jahresdurchschnittstemperatur in Kaisersesch lag für den 30-jährigen Bezugszeitraum 1971 - 2000 bei 8,5 °C und im jüngsten 30-jährigen Mittel 1989-2018 bereits bei 9,2 °C. Die folgende Abbildung zeigt einen deutlichen Anstieg der Jahresdurchschnittstemperaturen seit 1881 bis heute mit einer deutlichen Verstärkung seit den 1990er Jahren. Die 10 wärmsten Jahre wurden alle seit den 1990er Jahren verzeichnet. Das Jahrzehnt 2011 bis 2020 ist schon jetzt das wärmste Jahrzehnt seit Aufzeichnungsbeginn. Das wärmste je gemessene Jahr ist 2018 mit einer mittleren Jahrestemperatur von 10,3 °C, also bereits 1,8°C über dem langjährigen Mittel.

Niederschlagsentwicklung

Entwicklung des Jahresniederschlags im Raum Kaisersesch von 1881 bis 2018.

Der mittlere Jahresniederschlag liegt in Kaisersesch im 30-jährigen Bezugszeitraum 1971-2000 bei 751 mm. Er zeigt im Zeitraum 1881 bis heute eine ausgeprägte annuelle Variabilität ohne signifikante Zu- bzw. Abnahme der Niederschläge. Erst seit den 2000er Jahren zeigt sich ein noch nicht signifikanter Trend eines Rückgangs der Jahresniederschläge. Die 5 trockensten und 5 feuchtesten Jahre sind uneinheitlich über den gesamten Messzeitraum verteilt. Der hydrologische Sommer (Mai bis Oktober) zeigt aktuell keinen Trend hin zu trockeneren Verhältnissen.

Kenntage

Entwicklung der temperaturbezogenen Kenntage im Raum Kaisersesch von 1951 bis 2018.

Mit dem Temperaturanstieg einhergehend sind ein deutlicher Anstieg an Sommer- (Tmax > 25 °C) und Hitzetagen (Tmax > 30 °C) sowie ein Rückgang der Frost- (Tmin < 0 °C) und Eistage (Tmax < 0 °C) auszumachen. Alleine im Hitzesommer 2018 wurden 17 Hitzetage in Kaisersesch gezählt. In den zurückliegenden Sommern haben sich verstärkt länger anhaltende Hitzewellen gezeigt.

Klimaprojektionen geben Auskunft über mögliche Entwicklungen des Klimas in der Zukunft. Sie sind das Ergebnis der Anwendung von Klimamodellen, die auf Basis von Emissions- und Konzentrationsszenarien Klimaveränderungen modellieren. Die folgenden Analysen beziehen sich auf die Repräsentativen Konzentrationspfade (RCP) für die Szenarien 4,5 und 8,5 und zeigen jeweils ein Ensemble aus 13 Klimaprojektionen. Die Szenarien 4,5 und 8,5 wurden ausgewählt, da sie einen Korridor der zu erwartenden Entwicklungen aufspannen.

Zukünftige Entwicklung der Temperatur

Projizierte Entwicklung der Temperatur im Naturraum Osteifel bis zum Ende des 21. Jahrhunderts.

Für den Naturraum Osteifel zeigen die Klimaprojektionen einen Temperaturanstieg von 3,3 bis 5,8 °C gegenüber der vorindustriellen Zeit, sofern die Emissionen auf dem derzeitigen Pfad bleiben und wir global keine Fortschritte beim Klimaschutz erzielen (Worst Case Szenario; RCP 8.5). Bei einem Klimawandel „mittlerer Stärke“ (RCP 4.5) würde der Temperaturanstieg immer noch zwischen 2,1 und 3,7 °C betragen. Die steigenden Temperaturen zeigen sich zu allen Jahreszeiten.

Zukünftige Entwicklung des Niederschlags

Projizierte Entwicklung des Niederschlags im Naturraum Osteifel bis zum Ende des 21. Jahrhunderts.

Bei den mittleren Jahresniederschlägen wird von einem Großteil der Klimamodelle eine leichte Zunahme projiziert. Die Niederschlagsänderung liegt je nach Modell zwischen -5 – +30 % für den Zeitraum 2071-2100 gegenüber dem Bezugszeitraum 1971-2000.

Die Änderungssignale des Niederschlags für die hydrologischen Halbjahre zeigen ein differenzierteres Bild. Der hydrologische Sommer (Mai bis Oktober) zeigt keine signifikante Änderung des Niederschlags bis zum Ende des Jahrhunderts (-20 bis +20%). Im hydrologischen Winter hingegen (November bis April) wird eine Niederschlagszunahme von 0 bis 30 % für den Zeitraum 2071-2100 gegenüber dem Referenzzeitraum (1971-2000) projiziert. Beide Emissionsszenarien führen in Zukunft zu einer weiteren Zunahme an Sommer- und Hitzetagen sowie einer weiteren Abnahme an Frost- und Eistagen.

Weitere Informationen zum Klima finden Sie in "Daten und Fakten" bei Auswahl der Region "Osteifel".

Klimawirkungen im Raum Kaisersesch

Die Vulnerabilität (Verwundbarkeit) gegenüber Klimawandelfolgen ist aufgrund der Mittelgebirgslage mit ausgeprägter Topographie hinsichtlich Starkregen, Hochwasser, Sturzfluten und Bodenerosion grundsätzlich als hoch einzuschätzen. Die Verwundbarkeit gegenüber Hitze ist im Vergleich zum Oberrheingraben als geringer einzuschätzen.

Starkniederschläge

Bei Starkregen fallen große Niederschlagsmengen in kurzer Zeit, oftmals in Verbindung mit konvektiven Ereignissen. Starkregen kann zu schnell ansteigenden Wasserständen und zu Überschwemmung führen, häufig einhergehend mit Sturzfluten und Bodenerosion. Die systematische Erfassung solcher Ereignisse ist aufgrund ihrer oftmals kleinräumigen Ausdehnung nur mit flächendeckenden und zeitlich hochaufgelösten Messungen möglich. Mit der Einführung der flächendeckenden Niederschlagserfassung durch Radar ist dies seit Beginn des 21. Jahrhunderts möglich.

Die Verbandsgemeinde Kaisersesch befindet sich in einem Bereich mit eher geringer Wahrscheinlichkeit für das Auftreten von Starkregen. Dennoch können Starkregen auch hier mit großer Intensität auftreten. Als Starkniederschlag werden im Kontext der nachfolgenden Analysen Regensummen > 20 mm pro Tag bzw. 25 mm pro Stunde oder 35 mm in sechs Stunden definiert (DWD). Die hier zugrunde gelegten Radardaten reichen nur bis in das Jahr 2001 zurück und sind daher hinsichtlich statistischer Auswertungen zu kurz. Zur großräumigen Identifikation von Risikogebieten können diese Daten jedoch bereits herangezogen werden.



Bodenerosion

Gefährdung durch Bodenerosion auf landwirtschaftlich genutzten Flächen.

Eine Folge des Klimawandels im Bereich der landwirtschaftlichen Bodennutzung ist die Veränderung des Risikos von Bodenerosion durch Wasser.  Bodenerosion gilt als eine der Hauptgefahren für den Erhalt der Bodenfunktionen und somit auch für die nachhaltige Sicherung der Bodenfruchtbarkeit. Neben den Schäden durch den Verlust des Oberbodens auf der Erosionsfläche müssen weitere Folgeschäden beachtet werden. Hierzu zählen Hochwasserschäden, Ablagerungen des abgeschwemmten Bodens auf Verkehrs- und Siedlungsflächen, beeinträchtigte und dysfunktionale Kanalsysteme und Eutrophierung durch Nährstoffeinträge in Gewässer oder benachbarte Systeme. Die Verschlammung von Gewässern durch den erosionsbedingten Eintrag von Feinmaterial kann den aquatischen Lebensraum und die Gewässerökologie schädigen.

In Zweibrücken besteht aufgrund der lokalen Topographie insbesondere auf Ackerflächen der umgebenden Hochflächen eine erhöhte Gefährdung durch Bodenerosion und seine Folgeschäden.

Hitze

Entwicklung der Anzahl heißer Tage im Raum Kaiseresch seit 1951.

Die klimatische Ausgangssituation ist in Kaisersesch im Vergleich zu Städten des Oberrheingrabens weniger durch Hitze belastet. Grund hierfür ist neben der Mittelgebirgslage und dem dadurch bedingt kühleren Klima insbesondere auch die gute Frisch- und Kaltluftzufuhr in die kleineren Siedlungen aus den umliegenden kaltluftproduzierenden landwirtschaftlichen Nutzflächen und Wäldern. Hitze stellt eine starke Belastung für den menschlichen Organismus dar. Sehr junge und ältere Menschen sind besonders betroffen, da ihr Organismus noch nicht oder nicht mehr ausreichend auf die Belastung reagieren kann. Bei Überschreitung von 30 °C wird ein Tag als "Hitzetag" oder "Heißer Tag" definiert.

In Kaisersesch besteht ein deutlicher Trend hin zu häufigerer und intensiverer Hitze. Im Mittel wird in Kaisersesch an 5 Tagen im Jahr Hitze registriert. In Hitzesommern, wie 2003, 2015 oder 2018 übersteigt die Anzahl der Hitzetage das Mittel jedoch um ein Vielfaches, so wurden bspw. 2018 wurden 17 Hitzetage registriert, 2015 waren es 16 und in 2003 sogar 18 Tage. Eine Häufung an Hitzetagen (-perioden) zeigt sich in Kaisersesch insbesondere seit den 1990er Jahren.

Für die Zukunft ist von einer deutlichen Zunahme an Hitzetagen, Hitzeperioden und Tropennächten im Raum Kaisersesch auszugehen.

Verbandsemeinde Kaisersesch
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