Der sogenannte „Hockey Stick“ beschreibt die erste Rekonstruktion der Temperaturen auf der Nordhalbkugel für das vergangene Jahrtausend von den Wissenschaftlern Mann, Bradley und Hughes aus dem Jahre 1999. Es handelt sich dabei um eine » Multiproxy-Rekonstruktion der Temperaturverhältnisse; zur Rekonstruktion der vergangenen Temperaturverhältnisse wurden also verschiedene Arten von Klimaarchiven (z. B. Eisbohrkerne, historische Aufzeichungen, Baumringe) genutzt. Die Bezeichnung „Hockey Stick“ resultiert aus der Ähnlichkeit des Kurvenverlaufs mit einem Hockeyschläger. In der ersten Version reichte die Rekonstruktion bis zum Jahr 1400 n. Chr. zurück, wurde von den Autoren schließlich bis zum Jahr 1000 n. Chr. verlängert (siehe Abbildung).

Die Unsicherheit der Temperaturrekonstruktion (graue Schattierung um Kurvenverlauf) steigt, je weiter der betrachtete Zeitpunkt in die Vergangenheit zurückreicht. Unter Berücksichtigung dieser Unsicherheiten folgerten die Autoren, dass zumindest für die Nordhemisphäre die 1990er Jahre die wärmste Dekade und das Jahr 1998 das wärmste Jahr des vergangenen Jahrtausends darstellen.

Die Erkenntnis von Mann et al. wurde in der Folge von zahlreichen weiteren unabhängigen Arbeiten bestätigt (Jones et al. 1998, Esper et al. 2002, Moberg et al. 2005 und andere), die auch teilweise bis zu 2000 Jahre zurückreichen. Generell zeigen alle diese Rekonstruktionen, wenn auch nicht in jedem Detail, konsistente Ergebnisse (vgl. Abbildung).

Alle Rekonstruktionen stimmen darin überein, dass die Temperaturen auf der Nordhemisphäre zu keinem Zeitpunkt während der letzten 2.000 Jahre, auch nicht während des „Mittelalterlichen Wärmeoptimums“, höher war als heute. Hierbei ist jedoch zu betonen, dass die mittlere Temperatur auf der Nordhalbkugel betrachtet wird. Lokal, speziell im Nordatlantikraum, zeigen Klimarekonstruktionen während des „Mittelalterlichen Wärmeoptimums“ durchaus höhere Temperaturen als im 20. Jahrhundert, was sich beispielsweise auch in der Besiedlungsgeschichte von Grönland und Island zeigt.

Der Unterschied zur heutigen Erwärmung, die global stattfindet, besteht darin, dass sich das Klima damals heterogen geändert hat. So fand vielmehr häufig eine regionale Umverteilung der Wärme statt, was zu erhöhten Temperaturen in einer Region, gleichzeitig aber zu kühleren Temperaturen in einer anderen Region führte.

Die verschiedenen Rekonstruktionen zeigen weiterhin, dass ein solcher Temperaturanstieg, wie er seit Mitte des 20. Jahrhunderts zu beobachten ist, in den letzten Jahrtausenden sowohl von seiner Stärke, als auch vor allem von seiner Geschwindigkeit her betrachtet, unbekannt ist.

Quellen

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Klimalounge - Wissenschaftsblog von Prof. Dr. Stefan Rahmstorf (PIK Potsdam): http://www.scilogs.de/wblogs/blog/klimalounge.