Genetik

Die Weißtanne weist in verschiedenen Regionen eine sehr unterschiedlich hohe genetische Variabilität auf. Vor allem in Regionen mit großer Standortvielfalt ist vielfältiges Erbgut der Weißtanne vorhanden [1]. Herkünfte aus Ost- und Südosteuropa zeigen geringere Ausfälle und eine höhere genetische Diversität sowie eine hohe Wuchsleistung. Dies stellt ein gutes Anpassungspotential an wärmere und trockenere Bedingungen dar [13].

Waldbau

Die Weißtanne fühlt sich sehr wohl in Mischung mit Fichte oder Buche [8]. Ihre Wuchsdynamik ist charakterisiert durch eine späte Kulmination der Zuwachsgrößen und ein lang anhaltendes Wachstum (typisch einer Schattbaumart) [2]. Die Weißtanne wird v.a. in stufigen Beständen (Dauerwald) mit Laubbäumen angebaut [18]. Sie ist für stufige Waldaufbauformen prädestiniert, da sie eine gute Reaktionsfähigkeit und einen langen „Leidensdruck“ aufweist [22]. Die Tanne kann als Basenpumpe eingesetzt werden. Außerdem steigt mit Lichtstellung ihre Zuwachsleistung [25].
Bei starkem Konkurrenzdruck in der Verjüngung sollte eine Mischwuchsregulierung vorgenommen werden [18]. Auf hohen Konkurrenzdruck reagiert die Tanne mit dem Abbau ihrer Krone und der Bildung von Wasserreisern [25]. Es können standortsbedingte Qualitätsmängel wie "Nasskern" oder "Ringschäligkeit" auftreten [10].
Die erfolgreiche Tannenwirtschaft in Baden-Württemberg basiert auf langfristigen Verjüngungsverfahren und der Bewirtschaftung in strukturreichen Bestandesformen (z.B. Plenter- Femelwälder). Zwingende Voraussetzung dafür sind angepasste Schalenwildbestände und Verjüngungsgänge mit (sehr) lang anhaltenden Überschirmungsphasen. Im Laufe der Verjüngungsphase verliert die Tanne ihren Höhenvorsprung insbesondere gegenüber der Fichte. Sturmschäden sind also besonders problematisch bei Fichten-Tannenverjüngung [11].

Arealentwicklung

Nach der Methode der Klimahüllen lassen sich mögliche Veränderungen des klimatisch geeigneten Areals von Baumarten darstellen. Hierbei ist immer zu bedenken, dass weitere, vielfältige klimatische, standörtliche, ökologische und biologische Parameter eine starke, oder sogar limitierende Wirkung auf das Vorkommen der Baumarten haben (können) [26]. Die Darstellung der zweidimensionalen Häufigkeitsverteilung von Jahresdurchschnittstemperatur und Jahresniederschlagssumme (vgl. Abbildung 4) zeigt, relativ zum heutigen Klima, eine kleine Abnahme der klimatisch geeigneten Waldflächen Deutschlands am Ende des Jahrhunderts. Nach Klimaprojektionen des Regionalmodells Wettreg2006 und Emissionsszenario B1 sind am Ende des Jahrhunderts wärmere und trockenere Gebiete der Waldfläche Deutschlands außerhalb der klimatischen Nische der Weißtanne [27]. Die Übertragung der Klimahüllen auf die rheinland-pfälzische Waldfläche für die Klimaparameter-Kombinationen Jahresmitteltemperatur x Jahresmittelniederschlag (vgl. Abbildung 5 oben) und Jahresmitteltemperatur x Niederschlag in der Vegetationszeit (vgl. Abbildung 5 unten) zeigt, relativ zum heutigen Klima, eine signifikante Abnahme der klimatisch geeigneten Waldfläche im Laufe des Jahrhunderts. Nach Klimaprojektionen des Regionalmodells Wettreg2006 und der Emissionsszenarien A1B-trocken und A2-normal sind am Ende des Jahrhunderts vor allem die Höhenlagen des Landes weiterhin klimatisch geeignet für die Weißtanne.