Tourismus und Klimawandel

Tourismus und Klimawandel„Das Klima definiert die Länge und Qualität touristischer Saisons und spielt eine Hauptrolle bei der Wahl der Destination und den touristischen Ausgaben“ 

Dr. Daniel Scott, University of Waterloo, Canada

Bedeutung des Tourismus

Weltweit stellt der Tourismus einen der wichtigsten Wirtschaftszweige dar. Aufgrund der globalen Ausrichtung und der Freiwilligkeit der Teilnehmer ist der Tourismus besonders sensibel gegenüber Umweltveränderungen, Krisen und gesellschaftlichen Entwicklungen in den Herkunfts- und Zielländern. Der touristische Gesamtumsatz liegt in Rheinland-Pfalz bei 7,5 Mrd. Euro pro Jahr, über 190.000 Arbeitsplätze sind in Rheinland-Pfalz im Tourismusgewerbe verankert.

Treibhausgasemissionen durch den Tourismus

Weltweit verursacht der Tourismus ca. 5% der Kohlendioxidemissionen. Die Hauptverursacher sind der Flugverkehr, der Autoverkehr und der Energieverbrauch am Unterkunftsort. Die Treibhausgasemissionen durch den Auslandstourismus der Deutschen betrugen in den 1990er Jahren ca. 60 Mio. Tonnen pro Jahr, was etwa 6% der deutschen Emissionen in diesem Zeitraum entspricht. Hinzu kamen 16 Mio. Tonnen durch den Inlandstourismus. Für einen ambitionierten Klimaschutz ist es unvermeidbar für die Destinationen und die Touristen selbst, umweltbewusst und energieeffizienter zu arbeiten und zu reisen. Auch der Tourismus muss sich an einer Reduktion von Kohlendioxid und anderen Treibhausgasen beteiligen.

Risiken und Chancen durch den Klimawandel

Auf der anderen Seite ist der Tourismus durch den Klimawandel betroffen. Durch das Klima werden die Saisonalität, wie etwa die Zunahme milderer, schneearmer Winter und die Wahl des Urlaubsortes, das heißt die Nachfrage eines speziellen Angebots beeinflusst. Das Klima entscheidet zu etwa 45% über die Wahl des Urlaubsortes. Bei einem voranschreitendem Klimawandel wird es zu einer Veränderung im Tourismus kommen.

Grob können drei Bereiche des Tourismus unterschieden werden: Sommer-, Winter-, sowie Städte- und Kulturtourismus. Während der Städte- und Kulturtourismus relativ unabhängig von klimatischen Verhältnissen ist, sind die beiden anderen Formen direkt von Witterung und Klima abhängig. Für den Wintertourismus sind geeignete Schneebedingungen die entscheidende Voraussetzung. Für den sommerlichen Badetourismus sind dagegen warme Wasser- und Lufttemperaturen von Bedeutung, die aber eine gewisse Grenze nicht überschreiten sollten, um nicht als unangenehm empfunden zu werden. Viele Ziele stehen in direkter Verbindung mit der natürlichen Umwelt. Der Klimawandel hat Auswirkungen auf die natürlichen Ressourcen, wie Ökosysteme, Biodiversität, Wasserstand und -qualität, Schneebedeckung, aber auch auf Infektionskrankheiten und Extremereignisse. Der Klimawandel birgt demnach zahlreiche Risiken für den Tourismus, gleichzeitig können sich aber Chancen für das Handlungsfeld ergeben.

Tourismusstrategie

Rheinland-Pfalz wirbt in seiner Tourismusstrategie mit den Themenschwerpunkten WanderWunder, RadWanderLand, WeinReich und IchZeit Rheinland-Pfalz. Die Angebote können in wetterabhängige- und wetterunabhängige unterteilt werden, wobei der Einfluss des Klimawandels eine große Rolle spielt. 

Klassifizierung der Touristenangebote und -aktivitäten
Wetterabhängige Touristenangebote und -aktivitätenWetterunabhängige Touristenangebote und -aktivitäten

Wandern, Bergsteigen, Klettern

Radwandern

Camping

Badetourismus

Kanu- und Kajakfahren

Skifahren, Rodeln

Wein und Kulinarik

Gesundheit und Wellness

Heibäder und Kurorte

Stadt und Kultur

Erlebnisbäder

 

 

Das wesentliche Ziel der Tourismusbranchen in Rheinland-Pfalz ist die Qualität und Leistung der Destinationen zu verbessern. Der Deutsche Hotel- und Gaststättenverband Rheinland-Pfalz, der Tourismus- und Heilbäderverband, die rheinlandpfälzischen Industrie- und Handelskammern, die Rheinland-Pfalz Tourismus GmbH und die Landesregierung haben eine Anpassungsstrategie entwickelt, um dies umzusetzen. Die „Tourismusstrategie 2015“ zeigt zukünftige Wege der Anpassung des Tourismus an die Trends und Entwicklungen der letzten Jahre in Rheinland-Pfalz auf. Die Ziele sind: Nachhaltigkeit als übergeordnetes Ziel, Steigerung der Wertschöpfung, Steigerung der Gäste- und Übernachtungszahlen und Verbesserungen auf der Angebotsseite, sowie abgeleitete Profilierungs-, Qualitäts-, Struktur- und Konzentrationsziele. Die Strategiefelder der „Tourismusstrategie 2015“ sind vielfach kompatibel mit möglichen Anpassungsmaßnahmen an den Klimawandel.  

In der folgenden Tabelle sind die Strategiefelder I bis VI der "Tourismusstrategie 2015" mit den einzelnen Maßnahmen aufgelistet. In einem weiteren Feld sind mögliche Anpassungsmaßnahmen an den Klimawandel mit Wertung der Vereinbarkeit mit der "Tourismusstrategie 2015" eingetragen. Alle möglichen/ vorgeschlagenen Anpassungen der Tabelle sind eine Sammlung des Inhalts der unten angegebenen Literatur.

Tabelle  » pdf

In einer weiteren Tabelle sind tourismusrelevante Klimaparameter aufgelistet. Jeder Parameter wird auf Grundlage des aktuellen und des zukünftigen Klimas charakterisiert und nach seinen Chancen und Risiken bewertet. Des Weiteren wird die Anpassung des Tourismus an den Klima-wandel und die Konformität mit der „Tourismusstrategie 2015“ dargestellt.

Tabelle » pdf

In Kürze wird hier ein kurzer Bericht mit weiteren Informationen zum Thema Tourismus und Klimawandel in Rheinland-Pfalz zum herunterladen bereitgestellt.

Die Tourismusstrategie 2015 finden Sie hier » pdf

Informations- und Untersuchungsbedarf

Im Handlungsfeld Tourismus besteht weiterer Untersuchungsbedarf in Rheinland-Pfalz. Anpassungsmaßnahmen und Strategien müssen in den kommenden Jahren und Jahrzehnten fortlaufend überarbeitet werden, um an klimatische Veränderungen optimal angepasst zu sein. Voraussetzung für vorsorgende Anpassungsmaßnahmen sind lokal- und regionalspezifische Klimaprojektionen, die heute noch nicht in der gewünschten Auflösung vorliegen. Neben der Veränderung der Klimatologischen Parameter müssen im Handlungsfeld Tourismus auch human-biometeorologische (wie sich das Wetter auf den Menschen auswirkt). Paramter, wie beispielsweise die Veränderung der Physiologisch Äquivalenten Temperatur, untersucht werden. 

Literatur

Bartels, C., Barth, M., Burandt, S., Carstensen, I., Endler, C., Kreilkamp, E., Matzarakis, A., Möller, A., & Schulz, D. (2009): Sich mit dem Klima wandeln: Ein Tourismus-Klimafahrplan für Tourismusdestinationen. Forschungsprojekt KUNTIKUM – Klimatrends und nachhaltige Tourismusentwicklung in Küsten- und Mittelgebirgsregionen.

Ehmer, P. & Heymann, E. (2008): Klimawandel und Tourismus: Wohin geht die Reise. In: Deutsche Bank Research (2008): Energie und Klimawandel. Frankfurt a.M.

Heuchele, L., Renner, C., Syrbe, R.U., Lupp, G. & Konold, W. (2013): Nachhaltige Entwicklung von Tourismusregionen im Kontext von Klimawandel und biologischer Vielfalt. Culterra 64, Schriftenreihe der Professur für Landespflege der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg, 182 S.

Landestourismusverband Sachsen (2009): Klimawandel und Tourismus.

Leibnitz-Institut für ökologische Raumentwicklung (IÖR) (2014): Praxisleitfaden – Tourismus und biologische Vielfalt in Zeiten des Klimawandels. Freiburg im Breisgau

Matzarakis, A. & Tinz, B. (2008): Sozioökonomische Aspekte: Gewinner und Verlierer. Tourismus an der Küste sowie in Mittel- und Hochgebirge: Gewinner und Verlierer. In: Lozan, J. L., Grassl, H., Karbe, L. & Jendritzky, G. (2008): Warnsignal Klima: Gesundheitsrisiken. Gefahren für Menschen, Tiere und Pflanzen. 247-252.

Ministerium für Wirtschaft, Klimaschutz, Energie und Landesplanung Rheinland-Pfalz (2014): Tourismusstrategie 2015: Halbzeitbilanz und Weiterentwicklung.

Stock, M., Wolff, M. & Walkenhorst, O. (2005): Klimawandel-Auswirkungen, Risiken, Anpassung. In: Potsdam Institut für Klimafolgenforschung. PIK Report. 107-130.

Zebisch, M., Grothmann, T., Schröter, D., Haße, C., Fritsch U. & Cramer, W. (2005): Klimawandel in Deutschland: Vulnerabilität und Anpassungsstrategien klimasensitiver Systeme. Potsdam.