Die überhaupt einzigen Aussagen zu zukünftigen Veränderungen der Heuschreckenfauna beruhen auf der Anwendung von Artverbreitungsmodellen oder sind Modellrechnungen zur Verteilung von Artenvielfalt bei verschiedenen Klima- und Landnutzungsszenarien.

Bisher existieren für Deutschland großräumige Verbreitungsmodelle nur für einige wenige Heuschreckenarten. Allerdings sollten die daraus errechneten Projektionen einer möglichen zukünftigen Verbreitung von Arten mit Vorsicht interpretiert werden, da diese Modelle zum Beispiel keine Faktoren auf Populationsebene berücksichtigen. Bei Annahme einer über die Zeit konstanten Bindung an Klimavariablen (Nischenkonstanz) lassen sich mit Verbreitungsmodellen trotzdem Projektionen für die mögliche zukünftige Verbreitung von Arten berechnen, wenn eine konstante Landnutzung im Gebiet angenommen wird.

Der Einfluss und die Richtung des Einflusses von Klimavariablen auf die derzeitige Verbreitung von Heuschreckenarten variiert von Art zu Art. Kältetolerante Heuschreckenarten, wie Tetrix bipunctata (siehe Abbildung), Tettigonia cantans, und Euthystira brachyptera zeigen im Modell eine deutliche Abnahme der zukünftigen klimatischen Eignung im gesamten süddeutschen Raum. Nur wenige Gebiete in den Voralpen und Alpen sowie in den höchsten Lagen des Bayerischen Waldes und der Schwäbischen ALB sind voraussichtlich um 2050 noch klimatisch geeignet. Diese mögliche Entwicklung stimmt im Grundsatz mit der gegenwärtigen Verbreitung der Arten in Südeuropa überein, wo überwiegend nur die höheren und damit kühleren Lagen der Gebirge (z.B. Pyrenäen, Apenninen) besiedelt sind. Anders als bei Vögeln zeigen allerdings bisherige Bestandstrends bei Heuschrecken in Deutschland keine Übereinstimmung mit der potenziellen zukünftigen Bestandsentwicklung auf Basis von Klimaänderungen. Thermophile Heuschreckenarten sind ebenso stark von Bestandsverlusten betroffen wie kältetolerante Arten. Das kann bedeuten, dass andere Einflussfaktoren, wie die Intensität und Art der Landnutzung für Heuschrecken eine relativ starke Rolle für die Bestandsentwicklung spielen. Ebenso könnten durch den Klima- und Landschaftswandel geänderte biotische Interaktionen, die z.B. die innerartliche Konkurrenz in Populationen erhöhen, sich negativ auf den Bestand von Populationen auswirken.