Einwanderung und Etablierung neuer Tier- und Pflanzenarten

Die Einwanderung und Etablierung neuer Tier- und Pflanzenarten ist kein Novum in der Klimahistorie. So fanden im Zuge der nacheiszeitlichen Erwärmung, beginnend vor etwa 10.000 Jahren, vergleichbare Prozesse statt, die zum Teil noch heute andauern.

Analog deutet die seit 1950 verstärkte Einwanderung besonders wärmeliebender mediterran verbreiteter Arten auf einen Zusammenhang mit der Erhöhung der Jahresmitteltemperaturen im letzten Jahrhundert hin. Bei mehreren Tierarten lassen sich solche Einwanderer belegen:

  • Heuschrecken (Orthoptera): Südliche Eichenschrecke (Meconema meridionale)
  • Bockkäfer (Cerambycidae): Getreidebock (Calamobius filum)
  • Vögel (Aves): Bienenfresser (Merops apiaster)
  • Fangschrecken (Mantidae): Gottesanbeterin (Mantis religiosa)

Fraglich ist bei allen einwandernden Arten, welche genauen Faktoren ihre bisherige Verbreitung bestimmt haben und welchen Einfluss Klimafaktoren auf die Arealerweiterung haben. Oft nutzen natürlich einwandernde Arten gleiche Korridore und Räume.

Als Modellart für einwandernde Tierarten eignet sich die Gottesanbeterin aufgrund ihrer Auffälligkeit und fast flächendeckenden Erfassung besonders gut. Es werden ökologische Nischenmodelle auf verschiedenen räumlichen und zeitlichen Skalen gerechnet, um relevante Habitatfaktoren für die Art identifizieren zu können. Auf diese Weise lassen sich Änderungen dieser Faktoren zwischen Zeitperioden in Relation zur Verbreitung setzen. Weiterhin kann auch die Geschwindigkeit der Ausbreitung analysiert werden. Eine Projektion der zukünftigen Verbreitung ist ebenfalls möglich.