Welche Arten werden in Zukunft Arealverschiebungen und/oder -erweiterungen erfahren?

Die Fähigkeit von Arten sich durch Verlagerung oder Erweiterung ihres Verbreitungsgebietes an veränderte Umweltbedingungen anzupassen ist unter anderem von ihrer Ausbreitungsfähigkeit bzw. ihrem Bewegungsverhalten abhängig. Dies wurde bei den meisten bisherigen Studien zu den Auswirkungen des Klimawandels mangels Daten zur Ausbreitungsfähigkeit vieler Arten vernachlässigt. So wurde entweder keine Ausbreitung oder eine unlimitierte Ausbreitung angenommen.

Heuschrecken sind eine hinsichtlich ihrer Wechselwirkungen mit Umweltfaktoren gut untersuchte Tiergruppe und eignen sich daher auch für Studien zum Einfluss des Klimawandels. Mit Hilfe von Umweltdaten wurden Verbreitungsmodelle für 13 einheimische Heuschreckenarten erstellt. Diese zeichnen sich entweder durch eine hohe Bestandsgefährdung aus oder besitzen in SW-Deutschland eine Arealgrenze. Für alle Arten wurde – unter Verwendung von Klimaprojektionen – die zukünftige Habitateignung im Zeitraum 2041-2055 modelliert.

Bei 8 der 13 Arten hatten im Modell klimatische Faktoren mehr als 50 % Einfluss. Diese sowie deren prognostizierte Änderungen haben somit einen großen Einfluss auf die Verbreitung von Heuschreckenarten.

Wärmeliebende Arten, wie die Blauflügelige Sandschrecke (Sphingonotus caerulans), die bisher im Untersuchungsgebiet nur an wenigen Orten vorkommen, werden einen deutlichen Zuwachs an geeigneten Lebensräumen erfahren (siehe folgende Abbildung). Aufgrund ihrer limitierten Ausbreitungsfähigkeit können die wärmeliebenden Arten aber wahrscheinlich nicht alle neuen potentiellen Lokalitäten bis 2050 besiedeln. Kälteangepasste Arten, wie die Zwitscherschrecke (Tettigonia cantans), die unter wärmeren Temperaturen veränderte Feuchtigkeitsanforderungen haben, werden hingegen mit einem drastischen Rückgang geeigneter Lebensräume konfrontiert.

Die aktuelle Verbreitung (linke Spalte der Abbildung) und die potentielle zukünftige Verbreitung (2041-2055) unter Annahme unterschiedlicher Ausbreitungsfähigkeit (2., 3. und 4. Spalte) in SW-Deutschland werden für 3 wahrscheinlich expandierende Heuschreckenarten aufgezeigt. Schwarze Zellen zeigen die Präsenz der Art bzw. die zukünftige Verbreitung an, dunkelgraue Zellen zukünftig gut/sehr gut geeignete Habitate. Als Grundlage der zukünftigen Verbreitung dienen die Klimaprojektionen des Modells STAR2 (Szenario A1B, nass-kalte Realisation).