Klimawandel – Herausforderung für den Bevölkerungsschutz

Sturm, Hagel, Hitzewellen, Starkregen, Überflutungen. Diese und weitere extreme Wetterereignisse könnten als Folge des Klimawandels bis Ende des Jahrhunderts eine immer größere Rolle im Leben des Menschen spielen. Um auch in Zukunft möglichst gut geschützt zu sein, bedarf es einer Anpassung des Bevölkerungsschutzes an die Folgen des Klimawandels, um auf komplexe und schwierige Einsatzlagen vorbereitet zu sein.

Bevölkerungsschutz in Deutschland

Der Bevölkerungsschutz beschreibt als Oberbegriff alle Aufgaben und Maßnahmen der Kommunen und der Länder im Katastrophenschutz, sowie des Bundes im Zivilschutz. Aufgabe ist der Schutz der Bevölkerung und ihrer Lebensgrundlage vor Katastrophen und anderen Notlagen, sowie vor den Auswirkungen von Kriegen und bewaffneten Konflikten. Der Bevölkerungsschutz umfasst auch Maßnahmen zur Vermeidung, Begrenzung und Bewältigung der genannten Ereignisse. Auf Bundesebene repräsentieren beispielsweise folgende Organisationen den Bevölkerungsschutz (Link führt auf Klimawandel relevante Themen der Organisationen):

  • Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK)
  • Arbeiter-Samariter-BUND (ASB)
  • Technisches Hilfswerk (THW)
  • Deutsche Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG)
  • Uvm.

Klimawandel und Bevölkerungsschutz

Klimaprojektionen, die auf Basis verschiedener Modelle und Treibhausgasemissions-Szenarien errechnet werden, zeigen für Rheinland-Pfalz einen mittleren Temperaturanstieg von 2-4 °C bis zum Ende des 21. Jahrhunderts. Der Niederschlag hingegen wird nahezu gleich bleiben oder sich geringfügig erhöhen. Jedoch erfolgt eine Verschiebung der Niederschläge in das Winterhalbjahr, wodurch die Winter feuchter und die Sommer trockener werden. 

Neben der stetigen Zunahme von Klimaparametern nehmen auch Extremwetterereignisse zu. Dies sind Ereignisse, deren Werte vom langjährigen Mittel abweichen. Beispiele hierfür sind extreme Werte der Temperaturen oder der Niederschlagsmengen. In schwerwiegenden Fällen können daraus schädliche Einflüsse für die Bevölkerung resultieren.

Klimawandelgerechter Bevölkerungsschutz

1992 wurde die bisher wichtigste Grundlage auf internationaler Ebene im Umgang mit dem Klimawandel beschlossen - das Rahmenübereinkommen der Vereinten Nationen über Klimaänderungen (United Nations Framework Convention on Climate Change, UNFCCC).  Ziel ist „die Stabilisierung der Treibhausgaskonzentration in der Atmosphäre auf einem Niveau zu erreichen, auf dem eine gefährliche anthropogene Störung des Klimasystems verhindert wird“ (UNFCCC 1992, Artikel 2). In Deutschland wurde 2008, auf dieser Basis, die Deutsche Anpassungsstrategie (DAS) entworfen mit den Zielen der Minderung der Verletzlichkeit (Vulnerabilität) und der Steigerung der Anpassungsfähigkeit natürlicher, gesellschaftlicher und ökonomischer Systeme an den globalen Klimawandel. Der Bevölkerungsschutz spielt in der DAS eine wichtige Rolle. Zu den Maßnahmen gehören die Weiterentwicklung der Einsatztechnik und –taktik, die Verbesserung der Informations- und Risikokommunikation, sowie die zeitnahe und effektive Warnung. 

Anpassung an den Klimawandel

Im Jahr 2008 wurde im BBK (Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katstrophenhilfe) die AG Klimawandel und Anpassung im Katastrophenschutz gegründet, zu der zahlreiche Hilfsorganisationen auf Bundesebene gehören. 

Aufgaben der AG:

  • Anpassung von Informationsangeboten an die Bedürfnisse des Bevölkerungsschutzes
  • Überprüfung vorhandener Daten auf Nutzbarkeit für ein Monitoring 
  • Anpassung oder Harmonisierung von Einsatzstatistiken (zur Nutzung im Monitoring)

Hilfsorganisationen können allerdings auch selbst von Extremwetterereignissen durch gesundheitliche Beeinträchtigungen der Mitarbeiter, Beschädigung des Equipments oder der Infrastruktur, betroffen sein. Deshalb müssen sich Hilfsorganisationen anpassen, indem sie ein Problembewusstsein für die Betroffenheit entwickeln und eine beispielsweise hitzeangepasste Arbeitsumgebung schaffen. Eine wichtige Rolle spielt hierbei die Aufklärung der Bevölkerung über die neu entstehenden Herausforderungen durch den Klimawandel, denn zu einem großen Teil liegt es in der Verantwortung der Bürger, sich selbst zu schützen und vorzusorgen.

» Broschüre Klimawandel - Herausforderung für den Bevölkerungsschutz

Strategische Behördenallianz "Anpassung an den Klimawandel"

Das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK), das Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR), der Deutsche Wetterdienst (DWD), die Bundesanstalt Technisches Hilfswerk (THW) und das Umweltbundesamt (UBA) haben sich bereits 2007 in der Strategischen Behördenallianz zusammengeschlossen. In gemeinsamen Projekten gehen die Beteiligten den Fragen nach, wie sich der Klimawandel auf Deutschland auswirkt und welche Maßnahmen getroffen werden können, um auf das veränderte Klima zu reagieren. Die Perspektiven der einzelnen Behörden ergänzen sich dabei zu einer abgestimmten Herangehensweise (http://www.THW.de).

Katastrophenschutz in Rheinland-Pfalz

Der Brand- und Katastrophenschutz ist in Rheinland-Pfalz in der Aufsichts- und Diensleitungsdirektion (ADD) Trier angesiedelt. Die Koordinierungsstelle beinhaltet alle Aufgaben der nicht polizeilichen Gefahrenabwehr. Ihr obliegen außerdem Katastrophenschutzplanungen für alle Schadenslagen, wie z.B.:

  • Unfälle in den Kernkraftwerken Cattenom, Biblis, Philippsburg
  • Hochwasser/Eisgang
  • Alarm- und Einsatzplanung Gefährliche Stoffe
  • Großschadensereignisse auf Autobahnen, Wasserstraßen, Eisenbahnen

Als erstes Flächenland nutzt Rheinland-Pfalz seit Anfang 2015 das neue Bevölkerungswarnsystem für Smartphones „Katwarn“. Die App wurde im ersten Monat über 25.000 Mal in Rheinland-Pfalz heruntergeladen und trägt zur frühzeitigen Übermittlung von Warnungen bei Katastrophen jeglicher Art an den Bürger bei. Der Nutzer erhält vom Innenministerium bei großflächigen Gefahren kostenlos behördliche Warnungen umgehend auf sein Mobiltelefon. Ergänzt werden die Warnungen durch Informationen über das Verhalten im Katastrophenfall. Als erster Kreis nutzt Mayen-Koblenz die praktische Smartphone-App zum Schutz seiner Bürger.

Unter Federführung des Innenministeriums wird gegenwärtig eine Erneuerung der Alarmierungsmechanismen für den Krisenstab der Landesregierung geprüft. Angestrebt ist ein zentral gepflegtes und ressortübergreifendes Alarmierungssystem, das eine hohe Betriebssicherheit und Alarmierungsgeschwindigkeit gewährleisten soll.

Zur Verknüpfung der vielen verschiedenen Akteure im Katastrophen- und Brandschutz wurde 2013 eine Internetplattform errichtet, auf der sich Akteure austauschen können. Das Brand- und Katastrophenschutz Portal soll zur Wissens- und Informationsverbreitung, sowie zur Kommunikation beitragen, um im Katastrophenfall möglichst viele Akteure zu mobilisieren.