Das Coaching in der Verbandsgemeinde Wörrstadt

Das Coaching zur Klimawandelanpassung wurde in der Verbandsgemeinde Wörrstadt offiziell Anfang April 2020 gestartet und endet Ende Januar 2021. Während des Coaching-Zeitraums wurden zahlreiche Veranstaltungen und Aktionen rund um das Thema Anpassung an Klimawandelfolgen im Raum Wörrstadt durchgeführt. Aufgrund von Covid-19 wurde die Auftaktveranstaltung in den Mai gelegt und fand als Onlineveranstaltung am 28.05.2020 statt. Die Veranstaltung diente zu einer ersten Sensibilisierung von Verwaltung und Politik zu Fragen des Klimawandels und war als Austausch- und Kennlernplattform angelegt. Um das Thema über die Verwaltungsgrenzen hinaus zu kommunizieren wurde am 30.06.2020 ein Pressegespräch in der Gemeindeverwaltung einberufen, zu welchem lokale Pressevertreter eingeladen wurden.

Ein Schwerpunkt des Coachings bildete die Integration der Klimawandelanpassung in Planungsprozesse (Bauleitplanung). Hierzu wurde am 26.08.2020 ein verwaltungsinterner Workshop durchgeführt. Der Workshop fokussierte die Möglichkeiten einer klimagerechten Stadtentwicklung unter Berücksichtigung der Themenschwerpunkte Hitze- und Starkregenvorsorge. Den Teilnehmern wurden Festsetzungsmöglichkeiten in Bebauungsplänen kommuniziert sowie kommunale Best-Practice-Beispiele aufgezeigt. Die Schwerpunkte beinhalteten die Themenfelder: Kalt- und Frischluftzufuhr, Gebäudegrün (z.B. Dach- und Fassadenbegrünung), Stadtgrün (z.B. Stadtbäume), Entsiegelung im öffentlichen und privaten Raum sowie die dezentrale Regenwasserbewirtschaftung, Regenwasserspeicherung und der Schutz vor Starkregenfolgen. Die Workshop-Ergebnisse wurden einem breiten Publikum im Zuge der Bürgermeisterdienstbesprechung am 07.09.2020 präsentiert. Als Mitmachaktion wurde am 22.07.2020 die Umwandlung eines privaten Schottergartens in einen klimafreundlichen Naturgarten umgesetzt, an welcher sich u.a. Verwaltungsmitarbeiter der VG aktiv beteiligten. Das Abschlussgespräch ist auf den Januar 2021 angesetzt. 

Klimawandel im Raum Wörrstadt

 

Durch seine geschützte Lage gehört Rheinhessen zu den wärmsten und trockensten Gebieten Deutschlands, was den Wein- und Obstanbau begünstigt. Die durchschnittliche Sonnenscheindauer beträgt in Rheinhessen etwa 1600 Stunden, die Vegetationszeit etwa 240 Tage. Die Jahresdurchschnittstemperatur liegt zwischen 8,6 und 10,6 °C.  Die mittlere Niederschlagsmenge zwischen 470 und 730 mm. Der Klimawandel ist in Rheinhessen längst angekommen und zeigt sich durch im Mittel höhere Temperaturen mit vermehrten Hitze- und Sommertagen. Die Niederschläge zeigen sowohl im Jahresmittel als auch für die Vegetationsperiode insbesondere in den jüngeren Dekaden eine Abnahme, welche zu großer Trockenheit in der Region beigetragen hat. Neben Land- und Forstwirtschaft betrifft diese Trockenheit insbesondere auch das Stadtgrün. Stadtbäume und Grünflächen zeigen vermehrt Trockenstress und fielen aus. Niederschläge in den Sommermonaten fallen zunehmend in Form konvektiver Niederschläge (teils als Starkregen), welche an Intensität zunehmen. Die Starkniederschläge induzieren Folgewirkungen wie Sturzfluten, Überschwemmungen und Bodenerosion. Im Oberrheingraben gelegen zählt Rheinhessen hinsichtlich der Verwundbarkeit gegenüber Klimawandelfolgen zu den vulnerabelsten Regionen Deutschlands.  

 

Klimaprojektionen geben Auskunft über mögliche Entwicklungen des Klimas in der Zukunft. Sie sind das Ergebnis der Anwendung von Klimamodellen, die auf Basis von Emissions- und Konzentrationsszenarien Klimaveränderungen modellieren. Die folgenden Analysen beziehen sich auf die Repräsentativen Konzentrationspfade (RCP) für die Szenarien 2.6 und 8.5 und zeigen jeweils ein Ensemble aus 13 Klimaprojektionen. Die Szenarien 2.6 und 8.5 wurden ausgewählt, da sie einen Korridor der zu erwartenden Entwicklungen aufspannen.

Klimawirkungen im Raum Wörrstadt

 

Die Vulnerabilität (Verwundbarkeit) gegenüber Klimawandelfolgen ist aufgrund der Mittelgebirgslage mit ausgeprägter Topographie hinsichtlich Starkregen, Hochwasser, Sturzfluten und Bodenerosion grundsätzlich als hoch einzuschätzen. Die Verwundbarkeit gegenüber Hitze ist im Vergleich zum Oberrheingraben als geringer einzuschätzen.