Verbandsgemeinde Leiningerland

Die Verbandsgemeinde Leiningerland liegt im Nordosten der Pfalz. Es Verwaltungsgebiet erstreckt sich vom nordöstlichen Pfälzerwald im Westen über den Nordteil der Deutschen Weinstraße bei Grünstadt, die im Hügelland des pfälzischen Weinanbaugebiets verläuft, bis nach Dirmstein und Gerolsheim im Osten, wo die Rebenhügel in die Oberrheinische Tiefebene übergehen. Carlsberg im Westen ist mit 330 m am höchsten gelegen, Dirmstein besitzt mit 102 m die niedrigste Ortshöhe. Auf einer Fläche von 145 qkm leben ca. 30.660 Menschen in 21 Ortsgemeinden. Die Verbandsgemeindeverwaltung hat ihren Sitz in Grünstadt, was aber nicht zum Verbandsgemeindegebiet gehört.

Das Verbandsgemeindegebiet liegt in den Naturräumen Pfälzerwald (Haardtgebirge) und Vorderpfalz und muss daher geologisch und klimatisch differenziert zu betrachten werden.

Der Pfälzerwald ist das größte zusammenhängende Waldgebiet in Deutschland und eine der größten zusammenhängenden europäischen Waldflächen. Bei einer Ausdehnung von über 160.000 ha sind mehr als 90 % von Wald bedeckt. Der Pfälzer Wald wird durch Gesteine aus der Zeit des Buntsandsteins und den darunter liegenden Formationen des Zechsteins aufgebaut. Verwitterung und Abtragung haben eine vielfältige Mittelgebirgslandschaft mit einem dichten, tief eingeschnittenen Talsystem und vielfältigen Bergformen entstehen lassen. Die Vorderpfalz ist Teil der Nördlichen Oberrheinischen Tiefebene und wird vom Rhein im Osten und dem Haardtrand im Westen begrenzt. Die Vorderpfalz gliedert sich in das Hügelland an der Weinstraße, die eigentliche Rheinebene und die Rheinniederung.

Der Pfälzerwald und die Vorderpfalz liegen in der gemäßigten Klimazone mit ausgeprägtem atlantischen Einfluss. Der Pfälzerwald bildet die erste größere Barriere für aus Westen heranziehende Tiefdrucksysteme. Im westlichen und zentralen Pfälzerwald werden dadurch Niederschlagsmengen von 800 bis 1000 mm, in höheren Gebirgslagen sogar bis zu 1100 mm gemessen.  Nach den Temperaturverhältnissen wird der Pfälzerwald dem gemäßigt-kühlen Klimatyp zugeordnet. Die Jahresdurchschnittstemperaturen in mittleren Berglagen liegen bei 8 °C, in höchsten Lagen bei 7 °C und in den niederen thermischen Gunstlagen am Ostrand des Gebirges bei 9-12 °C.

Die Vorderpfalz gehört zu den Regionen mit den mildesten Wintern und den wärmsten Sommern in Deutschland bei geringen bis mäßigen Niederschlägen. Die mittleren Jahresdurchschnittstemperaturen erreichen zwischen 9 und um 11 °C; im wärmsten Monat Juli liegen die Durchschnittswerte um oder sogar knapp über 20 °C. Ursache dafür sind häufige Südwest-Wetterlagen mit Luftmassen aus dem westlichen Mittelmeerraum. Föhn-Effekte durch absinkende Luft an der westlichen Grabenbruchkante können zusätzliche Temperaturerhöhungen bewirken. Die Niederschläge betragen dagegen nur zwischen 490 und 850 mm. Viele landwirtschaftliche Flächen müssen daher bewässert werden.

Entwicklungen des Klimas in der VG Leiningerland bis heute

Die Jahresdurchschnittstemperatur im Raum Leiningerland lag für den 30-jährigen Bezugszeitraum 1971-2000 bei 9,7 °C und im jüngsten 30-jährigen Mittel 1989-2018 bereits bei 10,4 °C. Die Abbildung zeigt einen deutlichen Anstieg der Jahresdurchschnittstemperaturen seit 1881 bis heute mit einer deutlichen Verstärkung seit den 1990er Jahren. Die 5 wärmsten Jahre wurden alle nach dem Jahr 1995 gemessen und verdeutlichen den rasanten Anstieg der Temperaturentwicklung. Das wärmste je gemessene Jahr ist 2018 mit einer mittleren Jahrestemperatur von 11,7 °C.

Entwicklung der Jahresmitteltemperatur in der VG Leiningerland seit 1881.

Der mittlere Jahresniederschlag liegt in der Verbandsgemeinde Leiningerland im 30-jährigen Bezugszeitraum 1971-2000 bei 633 mm. Er zeigt im Zeitraum 1881 bis heute eine ausgeprägte annuelle Variabilität ohne signifikante Zu- bzw. Abnahme der Niederschläge. Die 5 trockensten und 5 feuchtesten Jahre sind uneinheitlich über den gesamten Messzeitraum verteilt. Der hydrologische Sommer (Mai bis Oktober) zeigt keinen Trend, der hydrologische Winter (November bis April) eine leichte Zunahme der Niederschläge seit 1881.

Entwicklung des Jahresniederschlags in der VG Leiningerland seit 1881.

Die klimatologischen Kenntage weisen eine deutliche Zunahme an Sommer- (Tmax ≥ 25 °C; +12 Tage) und Hitzetagen (Tmax ≥ 30 °C; +6 Tage) sowie eine Abnahme an Frost- (Tmin ≤ 0 °C, -11 Tage) und Eistagen (Tmax ≤ 0 °C; -4 Tage) zwischen den 30-jährigen Mitteln 1951-1980 und 1989-2018 auf.

Entwicklung der temperaturbezogenen Kenntage in der VG Leiningerland seit 1951.

Zukünftige klimatische Entwicklung im Naturraum Oberrheintiefland (Vorderpfalz)

Klimaprojektionen geben Auskunft über mögliche Entwicklungen des Klimas in der Zukunft. Sie sind das Ergebnis der Anwendung von Klimamodellen, die auf Basis von Emissions- und Konzentrationsszenarien Klimaveränderungen modellieren. Die folgenden Analysen beziehen sich auf die Repräsentativen Konzentrationspfade (RCP) für die Szenarien 4,5 und 8,5 und zeigen jeweils ein Ensemble aus 13 Klimaprojektionen. Die Szenarien 4,5 und 8,5 wurden ausgewählt, da sie einen Korridor der zu erwartenden Entwicklungen aufspannen.

Für die Darstellung der zukünftigen Klimaentwicklung wurde der Naturraum Vorderpfalz (Oberrheintiefland) gewählt, da dieser für das Verbandsgemeindegebiet repräsentativ ist. Für diesen Naturraum zeigen die Klimaprojektionen einen Temperaturanstieg von 3,8 bis 6,0 °C gegenüber der vorindustriellen Zeit, sofern die Emissionen auf dem derzeitigen Pfad bleiben und wir global keine Fortschritte beim Klimaschutz erzielen (Worst Case Szenario; RCP 8.5). Bei einem Klimawandel „mittlerer Stärke“ (RCP 4.5) würde der Temperaturanstieg immer noch zwischen 2,3 und 4,0 °C betragen. Die  steigenden Temperaturen zeigen sich zu allen Jahreszeiten.

Projizierte Entwicklung der Temperatur im Naturraum Vorderpfalz (Oberrheintiefland) bis zum Ende des 21. Jahrhunderts.

Bei den mittleren Jahresniederschlägen wird von einem Großteil der Klimamodelle eine leichte Zunahme projiziert. Die Niederschlagsänderung liegt je nach Modell zwischen -5 – +25 % für den Zeitraum 2071-2100 gegenüber dem Bezugszeitraum 1971-2000.

Projizierte Entwicklung des Niederschlags im Naturraum Vorderpfalz bis zum Ende des 21. Jahrhunderts.

Die Änderungssignale des Niederschlags für die  hydrologischen Halbjahre  zeigen ein differenzierteres Bild. Der hydrologische Sommer (Mai bis Oktober) zeigt keine signifikante Änderung des Niederschlags bis zum Ende des Jahrhunderts (-15 bis +20%). Im hydrologischen Winter hingegen (November bis April) wird eine Niederschlagszunahme von 5 bis 35 % für den Zeitraum 2071-2100 gegenüber dem Referenzzeitraum (1971-2000) projiziert. Beide Emissionsszenarien führen in Zukunft zu einer weiteren Zunahme an Sommer- und Hitzetagen sowie einer weiteren Abnahme an Frost- und Eistagen.

Weitere Informationen zum Klima finden Sie in "Daten und Fakten" bei Auswahl der Region "Vorderpfalz (Oberrheintiefland)".

Vulnerabilitätsanalyse

Die Betroffenheit (Verwundbarkeit)  gegenüber den Folgen des Klimawandels ist in der Verbandsgemeinde Leiningerland differenziert zu betrachten. Die Bereiche im Oberrheingraben zeigen eine besondere Vulnerabilität gegenüber Hitze, Starkregen, Hochwasser und Erosion. Die Bereiche im Pfälzerwald sind besonders gegenüber Starkregen und Sturzfluten vulnerabel. Die Vulnerabilität gegenüber Klimawandelfolgen ist aufgrund verschiedener Faktoren wie beispielsweise der geographischen Lage, der Topographie und der Lage im Oberrheingraben grundsätzlich als hoch einzuschätzen.

Starkniederschläge, Hochwasser und Sturzfluten

Bei Starkregen fallen große Niederschlagsmengen in kurzer Zeit, oftmals in Verbindung mit konvektiven Ereignissen. Starkregen kann zu schnell ansteigenden Wasserständen und  zu Überschwemmung führen, häufig einhergehend mit Sturzfluten und Bodenerosion. Die systematische Erfassung solcher Ereignisse ist aufgrund ihrer oftmals kleinräumigen Ausdehnung nur mit flächendeckenden und zeitlich hochaufgelösten Messungen möglich. Mit der Einführung der flächendeckenden Niederschlagserfassung durch Radar ist dies seit Beginn des 21. Jahrhunderts möglich.

Als Starkniederschlag werden im Kontext der nachfolgenden Analysen Regensummen > 20 mm/d bzw. 25 mm/h. oder 35 mm/6h definiert (DWD). Die Verbandsgemeinde Leiningerland befindet sich in einem Bereich mit erhöhter Wahrscheinlichkeit für das Auftreten von Starkregen. Insbesondere die östlichen Bereiche der Verbandsgemeinde im Oberrheingraben sind besonders von Starkregen gefährdet (siehe Abb. 6). Die hier zugrunde gelegten Radardaten reichen nur bis in das Jahr 2001 zurück und sind daher hinsichtlich statistischer Auswertungen zu kurz. Zur großräumigen Identifikation von Risikogebieten können diese Daten jedoch bereits herangezogen werden.

Starkregenstunden in Rheinland-Pfalz im Zeitraum 2001-2016.

In der Verbandsgemeinde Leiningerland hat es in der jüngsten Vergangenheit bereits zahlreiche teils heftige Starkregenereignisse mit Hochwasser und Überflutungen gegeben. Als Beispiele sind hier der Juli 2017 sowie Juni und Juli 2018 zu nennen. Im Mittel treten im Raum Leiningerland 3 Starkregenereignisse > 20 mm im Jahr auf. Im Zeitraum 1951 bis heute zeigen Starkniederschläge keine wesentlichen Änderungen im Auftreten. Jedoch sind Tagessummen der Niederschläge für die Auswertung nur bedingt geeignet. Jahre mit wenigen Starkregenereignissen können negativere Folgewirkungen aufweisen als Jahre mit höherer Anzahl an Starkregen. Die Intensität der Einzelereignisse ist hier von besonderer Relevanz. Bei Eintreten der zugrunde gelegten Klimaprojektionen ist davon auszugehen, dass Starkregen in Zukunft häufiger und intensiver auftreten werden.

Entwicklung der Anzahl der Tage mit Niederschlägen > 20 mm im Raum Leiningerland seit 1951.

Bodenerosion

Eine Folge des Klimawandels im Bereich der landwirtschaftlichen Bodennutzung ist die Veränderung des Risikos von Bodenerosion durch Wasser.  Bodenerosion gilt als eine der Hauptgefahren für den Erhalt der Bodenfunktionen und somit auch für die nachhaltige Sicherung der Bodenfruchtbarkeit. Neben den Schäden durch den Verlust des Oberbodens auf der Erosionsfläche müssen weitere Folgeschäden beachtet werden. Hierzu zählen Hochwasserschäden, Ablagerungen des abgeschwemmten Bodens auf Verkehrs- und Siedlungsflächen, beeinträchtigte und dysfunktionale Kanalsysteme und Eutrophierung durch Nährstoffeinträge in Gewässer oder benachbarte Systeme. Die Verschlammung von Gewässern durch den erosionsbedingten Eintrag von Feinmaterial kann den aquatischen Lebensraum und die Gewässerökologie schädigen.

Im Raum Leiningerland besteht im stark landwirtschaftlich genutzten Oberrheingraben aufgrund der lokalen Topographie und der erosionsanfälligen Kulturarten (bspw. Weinanbau) eine erhöhte Gefährdung durch Bodenerosion und seine Folgeschäden. Besondere Gefährdungsbereiche für Bodenerosion sind in den Ortsgemeinden Kindenheim, Bockenheim, Obrigheim, Dirmstein, Großkarlbach, Tiefenbach, Neuleiningen und Mertesheim auszumachen (siehe Abb. 8).

Gefährdung durch Bodenerosion auf landwirtschaftlich genutzten Flächen der VG Leiningerland.

Hitze

Hitze stellt eine starke Belastung für den menschlichen Organismus dar. Sehr junge und ältere Menschen sind besonders betroffen, da ihr Organismus noch nicht oder nicht mehr ausreichend auf die Belastung reagieren kann. Bei Überschreitung von 30 °C wird ein TaG als "Hitzetag" oder "Heißer TaG" definiert.
Im Raum Leiningerland besteht ein deutlicher Trend hin zu häufigerer und intensiverer Hitze. Begünstigt wird die Ausbildung von Hitze im Raum Leiningerland durch die naturräumlichen Gegebenheiten. Ein Großteil der Verbandsgemeinde befindet sich im stark überwärmten Oberrheingraben.
Im Mittel wird in der VG Leiningerland an 9 Tagen im Jahr Hitze registriert. In Hitzesommern, wie 2003, 2015 oder 2018 übersteigt die Anzahl der Hitzetage das Mittel jedoch um ein Vielfaches, so wurden bspw. 2018 und 2003 29 Hitzetage registriert, 2015 waren es 28 Tage. Eine Häufung an Hitzetagen (-perioden) zeigt sich in der Verbandsgemeinde Leiningerland insbesondere seit den 2000er Jahren.

Entwicklung der Anzahl heißer Tage im Raum Leiningerland seit 1951.

Bei ausbleibender nächtlicher Auskühlung spricht man von einer "Tropennacht" (Temperatur sinkt nicht unter 20 °C). Gerade dies führt zu einer starken Belastung des menschlichen Organismus. Die Anzahl an Tropennächten ist im Raum Leiningerland insbesondere im Bereich des Oberrheingrabens erhöht. Im Pfälzerwald selbst treten aufgrund der Kaltluftbildung und Kaltluftverlagerung in die hiesigen Ortsgemeinden keine Tropennächte auf. Für die Zukunft ist von einer deutlichen Zunahme an Hitzetagen, Hitzeperioden und Tropennächten im Raum Leiningerland auszugehen.

Verbandsgemeinde Leiningerland

Presseartikel: