Das Coaching in der Gemeinde Haßloch

Das Coaching zur Klimawandelanpassung wurde in der Ortsgemeinde Haßloch offiziell im Mai 2019 gestartet. Am 22.06.2019 fand bereits eine erste Initialrunde mit Vertretern der Kommune in kleinem Rahmen statt. Nach der Erfassung und Bewertung der klimatischen Ausgangsposition (Vergangenheit, Ist-Zustand, Zukunft) und einer Betroffenheits- und Gefährdungsabschätzung (Vulnerabilitätsanalyse) durch den KlimawandelanpassungsCOACH erfolgten am 27.06.2019 und am 20.08.2019 insgesamt 3 Workshop-Sessions mit insgesamt 12 Teilnehmern aus der Verwaltung und Externen. Die Workshops behandelten folgende Themen: „Anpassung der kommunalen Waldwirtschaft, der Ortsbegrünung und des Privatgrüns an den Klimawandel“, „Stadtökologische Festsetzungen in Bebauungsplänen & Klimaangepasstes Bauen“ sowie „Gesundheitsvorsorge mit dem Schwerpunkt Senioren“. Im gemeinsamen Dialog konnten 15 Maßnahmenvorschläge erarbeitet werden. Aus den Vorschlägen wurden die wichtigsten Maßnahmenvorschläge durch den AnpassungsCOACH in Steckbriefe (9) überführt.

Maßnahmen

Folgende Maßnahmen wurden im Workshop entwickelt:

  • Klimaanalyse Messreihe Bundessortenamt
  • Sensibilisierungskampagne Privates Grün & Bewässerung
  • Sensibilisierungskampagne Wassermanagement in der Landwirtschaft
  • Aufstellung eines Grünflächenkatasters und Grünflächenpflegeplans
  • Erstellung eines Konzepts zur optimalen Begrünung im Straßenraum
  • Baumartenempfehlungen im Klimawandel und Bekämpfung invasiver Neophyten
  • Sensibilisierungskampagne zu klimaangepasstem Bauen mit Holz
  • Aufstellung von kommunenspezifischen Leitlinien (Gestaltungssatzungen) zur klimagerechten Stadtentwicklung und Standardfestsetzungen für die Bauleitplanung
  • Klimawandelanpassung durch Verschattung, Lüftung, bessere Dämmung und verschiedenste Formen der Begrünung
  • Erstellung eines Gutachtens zur Wirkung von Neubaugebieten und innerörtlicher Verdichtung auf das Gemeindeklima (Ingenieurbüro)
  • Dach- und Fassadenbegrünungen von Bestandsgebäuden
  • KLIMAWANDEL-Homepage
  • Info-Veranstaltung Klimawandel
  • Vortrag des KlimaCoaches in Sitzungen des GR/BVE/FWU
  • Erarbeitung von (Mindest-) Standards für den kommunalen Neubau und die Sanierung von kommunalen Objekten

Ziel der Kommune wird es nun sein, die ausgearbeiteten Maßnahmenvorschläge in die Praxis zu bringen. Weitere Kernelemente des Coachings waren die Einbettung des Projekts in die eigene Webpräsenz (siehe hier) die Vorstellung der Zwischenergebnisse auf dem größeren Netzwerktreffen der beteiligten Modellkommunen am 29.10.2019 in Annweiler am Trifels sowie die Information und Sensibilisierung der Bevölkerung in Lokalmedien. Die Kommune erarbeitet zudem Leitziele zum Klimaschutz und Klimaanpassung.

Am 05.02.2019 wurden die Projektergebnisse auf einer gemeinsamen Sitzung des Bau-, Verkehrs-, und Entwicklungs-, Feld- und Umweltausschusses präsentiert.

Am 16. März 2020 richtet die Ortsgemeinde eine Bürgerinfoveranstaltung zum Thema: "Klimaangepasstes Bauen, Sanieren & Gärtnern - Möglichkeiten der privaten Anpassung an die Folgen des Klimawandels in Haßloch" aus. Weitere Informationen hierzu siehe Einladungsschreiben und Info-Flyer.

Das Abschlussgespräch zum Projekt ist auf den 01. April 2020 datiert.
 

Klimawandel im Raum Haßloch

Die Gemeinde Haßloch ist eine verbandsfreie Gemeinde im Landkreis Bad Dürkheim nahe dem Ballungszentrum Mannheim/Ludwigshafen am Rhein und liegt in der Vorderpfälzischen Rheinebene. Im Landkreis Bad Dürkheim ist Haßloch die größte Kommune, noch vor der namengebenden Kreisstadt. Haßloch ist ein staatlich anerkannter Fremdenverkehrsort und gemäß Landesplanung als Mittelzentrum ausgewiesen. Die Vorderpfälzische Rheinebene gehört zu den Regionen mit den mildesten Wintern und den wärmsten Sommern in Deutschland bei geringen bis mäßigen Niederschlägen. Die mittleren Jahresdurchschnittstemperaturen erreichen zwischen 9 und um 11 °C; im wärmsten Monat Juli liegen die Durchschnittswerte um oder sogar knapp über 20 °C. Ursache dafür sind häufige Südwest-Wetterlagen mit Luftmassen aus dem westlichen Mittelmeerraum. Föhn-Effekte durch absinkende Luft an der westlichen Grabenbruchkante können zusätzliche Temperaturerhöhungen bewirken. Die Niederschläge betragen dagegen nur zwischen 490 und 850 mm. Viele landwirtschaftliche Flächen müssen daher bewässert werden. Die Jahresmitteltemperatur in Haßloch selbst beträgt 10,5 °C und der mittlere Jahresniederschlag liegt bei etwa 590 mm (Referenzzeitraum 1971-2000).

Temperaturentwicklung

Entwicklung der Jahresmitteltemperatur im Raum Haßloch seit von 1881 bis 2018.

Die Jahresdurchschnittstemperatur in der Gemeinde lag für den 30-jährigen Bezugszeitraum 1971-2000 bei 10,5 °C und im jüngsten 30-jährigen Mittel 1989-2018 bereits bei 11,2 °C. Die folgende Abbildung zeigt einen deutlichen Anstieg der Jahresdurchschnittstemperaturen seit 1881 bis heute mit einer deutlichen Verstärkung seit den 1990er Jahren. Die 10 wärmsten Jahre wurden alle seit den 1990er Jahren verzeichnet. Das Jahrzehnt 2011 bis 2020 ist schon jetzt das wärmste Jahrzehnt seit Aufzeichnungsbeginn. Das wärmste je gemessene Jahr ist 2018 mit einer mittleren Jahrestemperatur von 12,6 °C, also bereits 2,1 °C über dem langjährigen Mittel.

Niederschlagsentwicklung

Entwicklung des Jahresniederschlags im Raum Haßloch von 1881 bis 2018

Der mittlere Jahresniederschlag liegt in Haßloch im 30-jährigen Bezugszeitraum 1971-2000 bei 590 mm. Er zeigt im Zeitraum 1881 bis heute eine ausgeprägte annuelle Variabilität ohne signifikante Zu- bzw. Abnahme der Niederschläge. Erst seit den 2010er Jahren zeigt sich ein noch nicht signifikanter Trend ein schwacher Rückgang der Jahresniederschläge. Die 10 trockensten und 10 feuchtesten Jahre sind uneinheitlich über den gesamten Messzeitraum verteilt. Der hydrologische Sommer (Mai bis Oktober) zeigt aktuell keinen Trend hin zu trockeneren Verhältnissen.

Kenntage

Entwicklung der temperaturbezogenen Kenntage im Raum Haßloch von 1951 bis 2018.

Mit dem Temperaturanstieg einhergehend sind ein deutlicher Anstieg an Sommer- (Tmax > 25 °C) und Hitzetagen (Tmax > 30 °C) sowie ein Rückgang der Frost- (Tmin < 0°C) und Eistage (Tmax < 0 °C) auszumachen. Alleine im Hitzesommer 2018 wurden 17 Hitzetage in Haßloch gezählt. In den zurückliegenden Sommern haben sich verstärkt länger anhaltende Hitzewellen gezeigt.

Klimaprojektionen geben Auskunft über mögliche Entwicklungen des Klimas in der Zukunft. Sie sind das Ergebnis der Anwendung von Klimamodellen, die auf Basis von Emissions- und Konzentrationsszenarien Klimaveränderungen modellieren. Die folgenden Analysen beziehen sich auf die Repräsentativen Konzentrationspfade (RCP) für die Szenarien 4,5 und 8,5 und zeigen jeweils ein Ensemble aus 13 Klimaprojektionen. Die Szenarien 4,5 und 8,5 wurden ausgewählt, da sie einen Korridor der zu erwartenden Entwicklungen aufspannen.

Zukünftige Entwicklung der Temperatur

Projizierte Entwicklung der Temperatur im Naturraum Vorderpfalz bis zum Ende des 21. Jahrhunderts.

Für den Naturraum Oberrheintiefland zeigen die Klimaprojektionen einen Temperaturanstieg von 3,8 bis 6,0 °C gegenüber der vorindustriellen Zeit, sofern die Emissionen auf dem derzeitigen Pfad bleiben und wir global keine Fortschritte beim Klimaschutz erzielen (Worst Case Szenario; RCP 8.5). Bei einem Klimawandel „mittlerer Stärke“ (RCP 4.5) würde der Temperaturanstieg immer noch zwischen 2,3 und 4,0 °C betragen. Die steigenden Temperaturen zeigen sich zu allen Jahreszeiten.

Zukünftige Entwicklung des Niederschlags

Projizierte Entwicklung des Niederschlags im Naturraum Vorderpfalz bis zum Ende des 21. Jahrhunderts.

Bei den mittleren Jahresniederschlägen wird von einem Großteil der Klimamodelle eine leichte Zunahme projiziert. Die Niederschlagsänderung liegt je nach Modell zwischen +-0 – +25 % für den Zeitraum 2071-2100 gegenüber dem Bezugszeitraum 1971-2000.

Die Änderungssignale des Niederschlags für die hydrologischen Halbjahre zeigen ein differenzierteres Bild. Der hydrologische Sommer (Mai bis Oktober) zeigt keine signifikante Änderung des Niederschlags bis zum Ende des Jahrhunderts (-10 bis +20%). Im hydrologischen Winter hingegen (November bis April) wird eine Niederschlagszunahme von 5 bis 35 % für den Zeitraum 2071-2100 gegenüber dem Referenzzeitraum (1971-2000) projiziert. Beide Emissionsszenarien führen in Zukunft zu einer weiteren Zunahme an Sommer- und Hitzetagen sowie einer weiteren Abnahme an Frost- und Eistagen.

Weitere Informationen zum Klima finden Sie in "Daten und Fakten" bei Auswahl der Region "Vorderpfalz (Oberrheintiefland)".

 

 

Klimawirkungen im Raum Haßloch

Die Vulnerabilität (Verwundbarkeit) gegenüber Klimawandelfolgen ist aufgrund der Lage im Oberrheingraben hinsichtlich Hitze, Trockenheit, Dürre, Starkregen und Einwanderung neuer gesundheitsgefährdender Arten als hoch einzuschätzen. Sturzfluten, Hochwasser und Bodenerosion spielen keine nennenswerte Rolle.

Starkniederschläge

Bei Starkregen fallen große Niederschlagsmengen in kurzer Zeit, oftmals in Verbindung mit konvektiven Ereignissen. Starkregen kann zu schnell ansteigenden Wasserständen und zu Überschwemmung führen. Die systematische Erfassung solcher Ereignisse ist aufgrund ihrer oftmals kleinräumigen Ausdehnung nur mit flächendeckenden und zeitlich hochaufgelösten Messungen möglich. Mit der Einführung der flächendeckenden Niederschlagserfassung durch Radar ist dies seit Beginn des 21. Jahrhunderts möglich.

Die Gemeinde Haßloch befindet sich in einem Bereich mit eher geringer Wahrscheinlichkeit für das Auftreten von Starkregen. Dennoch können Starkregen auch hier mit großer Intensität auftreten. Als Starkniederschlag werden im Kontext der nachfolgenden Analysen Regensummen > 20 mm/d bzw. 25 mm/h. oder 35 mm/6h definiert (DWD). Die hier zugrunde gelegten Radardaten reichen nur bis in das Jahr 2001 zurück und sind daher hinsichtlich statistischer Auswertungen zu kurz. Zur großräumigen Identifikation von Risikogebieten können diese Daten jedoch bereits herangezogen werden.



Hitze

Entwicklung der Anzahl heißer Tage im Raum Haßloch seit 1951.

Hitze ist in Haßloch aufgrund der räumlichen Lage im Oberrheingraben ein wichtiger Faktor. Die Verwundbarkeit ist hier als besonders hoch einzustufen. Die Stadt verfügt über einen geringen Austausch zwischen kühler Umgebungsluft, welche über den landwirtschaftlich genutzten Standorten außerhalb der Ortschaft bei Strahlungswetterlagen gebildet wird und den stark überbauten und überhitzten Ortsbereichen. Kühlende Frisch- und Kaltluftschneisen sind in Haßloch nicht vorhanden. Dagegen zeichnet sich die Ortsgemeinde über eine große Anzahl innerörtlicher Grünflächen (meist Privatgärten) aus, welche wiederum zu einer lokal begrenzten Abkühlung beitragen könne

Um eine bessere Hitzeresilienz zu entwickeln sollte die Kommune folgende Punkte in planungsrelevanten Entscheidungen berücksichtigen:

  • Förderung von Privatgärten und Aufwertung von kommunalen Grünflächen
  • Klimaangepasste Pflanzempfehlungen für Bürger und Kommune
  • Entsiegelung und Entschotterung
  • Entwicklung von Kalt- und Frischluftschneisen
  • Klimagutachten bei allen Neubauverfahren
  • Erhöhung des Grünvolumens durch Gebäudebegrünungen im kommunalen wie privaten Umfeld (Dach- und Fassadenbegrünungen)
  • Klimaangepasste Durchgrünung von Straßenzügen
  • Verwendung von hellen Fassaden und Dachabdeckungen
  • Befestigung von Platz- und Wegeflächen mit hellen Oberflächenbelägen
  • Helle Asphaltbeläge
  • Klimaangepasstes (hitzeresistentes) Bauen

Hitze stellt eine starke Belastung für den menschlichen Organismus dar. Sehr junge und ältere Menschen sind besonders betroffen, da ihr Organismus noch nicht oder nicht mehr ausreichend auf die Belastung reagieren kann. Bei Überschreitung von 30 °C wird ein TaG als "Hitzetag" oder "Heißer TaG" definiert.
In Haßloch besteht ein deutlicher Trend hin zu häufigerer und intensiverer Hitze.

Im Mittel wird in Haßloch an 11 Tagen im Jahr Hitze registriert. In Hitzesommern, wie 2003, 2015 oder 2018 übersteigt die Anzahl der Hitzetage das Mittel jedoch um ein Vielfaches, so wurden bspw. 2018 wurden 31 Hitzetage registriert, 2015 waren es 29 und in 2003 sogar 33 Tage. Eine Häufung an Hitzetagen (-perioden) zeigt sich in Haßloch insbesondere seit den 1990er Jahren.

Für die Zukunft ist von einer deutlichen Zunahme an Hitzetagen, Hitzeperioden und Tropennächten im Oberrheingraben auszugehen.

Trockenheit und Dürre

Trockenheit und Dürre haben sich insbesondere in den beiden zurückliegenden Sommern in 2018 und 2019 im Oberrheingraben gezeigt. Zahlreiche Monate sind im Vergleich zum langjährigen Mittel deutlich zu trocken ausgefallen, wodurch sich eine flächendeckende Dürre (vgl. UFZ Dürremonitor) über die Monate hinweg ausbreiten konnte. Dies führte zu erheblichen Trockenschäden in Landwirtschaft und Wäldern. Im Haßlocher Wald kam es bei zahlreichen Baumarten (z.B. Kiefer, Ahorn) zu einer Trockenstressproblematik mit anschließendem Pilz- und Schädlingsbefall. Oberflächengewässer, Gräben und Biotope litten unter Wassermangel und sind verstärkt trockengefallen mit teils verheerenden Folgen für die ansässige Tierwelt. Die Landwirtschaft hat ebenfalls unter massiver Trockenheit mit Ertragsausfällen hitzeanfälliger Kulturarten gelitten. In Zukunft könnte es zu einem weiteren Absinken der Grundwasserstände und damit einhergehend zu Problemen für Pflanzen und der Trinkwasserversorgung in der Pfalz kommen.

Gemeinde Haßloch
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Veranstaltung

Bürgerinfoveranstaltung am 16.03.2020: "Klimaangepasstes Bauen, Sanieren & Gärtnern - Möglichkeiten der privaten Anpassung an die Folgen des Klimawandels in Haßloch".

Materialien
  • Maßnahmensteckbriefe » pdf
Medien
  • Rheinpfalz 13.02.2020 » Link