Verbandsgemeinde Annweiler am Trifels

Die Verbandsgemeinde Annweiler am Trifels liegt im Landkreis Südliche Weinstraße. Zur Gebietskörperschaft gehören zwölf eigenständige Ortsgemeinden und die Stadt Annweiler am Trifels. In der Verbandsgemeinde leben 16.878 Einwohner auf einer Fläche von 130 qkm. Die Verbandsgemeinde liegt im Naturraum Pfälzerwald (Haardtgebirge). Die höchste Erhebung ist der 576 m hohe Rehberg. Zentrales Fließgewässer ist die in West-Ost-Richtung verlaufende Queich. Der Pfälzerwald ist das größte zusammenhängende Waldgebiet in Deutschland und eine der größten zusammenhängenden europäischen Waldflächen. Bei einer Ausdehnung von über 160.000 ha sind mehr als 90 % von Wald bedeckt. Der Pfälzerwald liegt in der gemäßigten Klimazone mit ausgeprägtem atlantischen Einfluss. Im westlichen und zentralen Pfälzerwald werden Niederschlagsmengen von 800 bis 1000 mm, in höheren Gebirgslagen sogar bis zu 1100 mm gemessen. Die Jahresdurchschnittstemperaturen in mittleren Berglagen liegen bei 8 °C, in höchsten Lagen bei 7 °C und in den niederen thermischen Gunstlagen am Ostrand des Gebirges bei 9-12 °C.

Entwicklungen des Klimas in der VG Annweiler am Trifels bis heute

Die Verbandsgemeinde Annweiler am Trifels befindet sich im Bereich der östlichen Ausläufer des Pfälzerwaldes und weist ein thermisch begünstigtes Klima auf. Die Jahresdurchschnittstemperatur für den 30-jährigen Bezugszeitraum 1971-2000 lag bei 9,1 °C und im jüngsten 30-jährigen Mittel 1989-2018 bereits bei 9,9 °C. Die Abbildung zeigt einen deutlichen Anstieg der Jahresdurchschnittstemperaturen seit 1881 bis heute mit einer deutlichen Verstärkung seit den 1990er Jahren. Die 5 wärmsten Jahre wurden alle nach dem Jahr 2000 gemessen und verdeutlichen den rasanten Anstieg der Temperaturentwicklung. Das wärmste je gemessene Jahr ist 2018 mit einer mittleren Jahrestemperatur von 11,3 °C.

Entwicklung der Jahresmitteltemperatur in der VG Annweiler am Trifels seit 1881.

Der mittlere Jahresniederschlag liegt in der Verbandsgemeinde Annweiler am Trifels im 30-jährigen Bezugszeitraum 1971-2000 bei 897 mm und im aktuellen 30-jährigen Mittel 1989-2018 bei 880 mm. Er zeigt im Zeitraum 1881 bis heute eine ausgeprägte annuelle Variabilität ohne signifikante Zu- bzw. Abnahme der Niederschläge.

Entwicklung des Jahresniederschlags in der VG Annweiler am Trifels seit 1881.

Die klimatologischen Kenntage weisen eine deutliche Zunahme an Sommertagen (Tmax ≥ 25 °C; 15 Tage) und Hitzetagen (Tmax ≥ 30 °C; 5 Tage) sowie eine Abnahme an Frosttagen (Tmin ≤ 0 °C, 12 Tage) und Eistagen (Tmax ≤ 0 °C; 4 Tage) zwischen den 30 jährigen Mitteln 1951-1980 bis 1989-2018 auf.

Entwicklung der temperaturbezogenen Kenntage in der VG Annweiler am Trifels seit 1951.

Zukünftige klimatische Entwicklung im Naturraum Pfälzerwald

Für den Naturraum Pfälzerwald zeigen die Klimaprojektionen einen Temperaturanstieg von 3,8 bis 6,0 °C gegenüber der vorindustriellen Zeit, sofern die Emissionen auf dem derzeitigen Pfad bleiben und wir global keine Fortschritte beim Klimaschutz erzielen (Worst Case Szenario; RCP 8.5). Bei einem Klimawandel „mittlerer Stärke“ (RCP 4.5) würde der Temperaturanstieg immer noch zwischen 2,3 und 4,0 °C betragen. Die  steigenden Temperaturen zeigen sich zu allen Jahreszeiten.

Projizierte Entwicklung der Temperatur im Naturraum Pfälzerwald bis zum Ende des 21. Jahrhunderts.

Bei den mittleren Jahresniederschlägen wird von einem Großteil der Klimamodelle eine leichte Zunahme projiziert. Die Niederschlagsänderung liegt je nach Modell zwischen -5 bis +25 % für den Zeitraum 2071-2100 gegenüber dem Bezugszeitraum 1971-2000.

Projizierte Entwicklung des Niederschlags im Naturraum Pfälzerwald bis zum Ende des 21. Jahrhunderts.

Die Änderungssignale des Niederschlags für die  hydrologischen Halbjahre  zeigen ein differenzierteres Bild. Der hydrologische Sommer (Mai bis Oktober) zeigt keine signifikante Änderung des Niederschlags bis zum Ende des Jahrhunderts (-15 bis +20 %). Im hydrologischen Winter hingegen (November bis April) wird eine Niederschlagszunahme von 5 bis 35 % für den Zeitraum 2071-2100 gegenüber dem Referenzzeitraum (1971-2000) projiziert. Beide Emissionsszenarien führen in Zukunft zu einer weiteren Zunahme an Sommer- und Hitzetagen sowie einer weiteren Abnahme an Frost- und Eistagen.

Weitere Informationen zum Klima finden Sie in "Daten und Fakten" bei Auswahl der Region "Pfälzerwald (Haardtgebirge)".

Vulnerabilitätsanalyse

Die Betroffenheit (Verwundbarkeit) gegenüber den Folgen des Klimawandels ist in der Verbandsgemeinde Annweiler am Trifels aufgrund verschiedener Faktoren wie beispielsweise der geographischen Lage, der umgebenden Topographie und der Kessellage grundsätzlich als hoch einzuschätzen.

Klimatische und lufthygienische Vulnerabilitäten im Raum Annweiler.

Starkniederschläge, Hochwasser und Sturzfluten

Bei Starkregen fallen große Niederschlagsmengen in kurzer Zeit, oftmals in Verbindung mit konvektiven Ereignissen. Starkregen kann zu schnell ansteigenden Wasserständen und  zu Überschwemmung führen, häufig einhergehend mit Sturzfluten und Bodenerosion. Die systematische Erfassung solcher Ereignisse ist aufgrund ihrer oftmals kleinräumigen Ausdehnung nur mit flächendeckenden und zeitlich hochaufgelösten Messungen möglich. Mit der Einführung der flächendeckenden Niederschlagserfassung durch Radar ist dies seit Beginn des 21. Jahrhunderts möglich. Als Starkniederschlag werden im Kontext der nachfolgenden Analysen Regensummen > 20 mm/d bzw. 25 mm/h oder 35 mm/6h definiert (DWD).

Der Raum Annweiler befindet sich in einem Bereich mit erhöhter Wahrscheinlichkeit für das Auftreten von Starkregen. Der gesamte Pfälzerwald ist aufgrund seiner Topographie und der Anströmungskomponente Südwest–Nordost, der vorgelagerten konvektionsauslösenden Vogesen ein Bereich erhöhter Starkregenexposition. Die hier zugrunde gelegten Radardaten reichen nur bis in das Jahr 2001 zurück und sind daher hinsichtlich statistischer Auswertungen zu kurz. Zur großräumigen Identifikation von Risikogebieten können diese Daten jedoch bereits herangezogen werden.

Starkregenstunden in Rheinland-Pfalz im Zeitraum 2001-2016.

In der Verbandsgemeinde Annweiler am Trifels hat es in der Vergangenheit bereits zahlreiche teils heftige Starkregenereignisse gegeben. Als Beispiele sind hier der August 2014, Juni 2016, Juni 2017 und die Nacht 31.5 auf 1.6.2018 zu nennen. Im Mittel treten im Raum Annweiler 6 Starkregenereignisse > 20 mm im Jahr auf. Eine Veränderung der Auftretenshäufigkeit ist seit 1951 nicht zu erkennen. Jedoch sind Tagessummen der Niederschläge für die Auswertung nur bedingt geeignet. Jahre mit wenigen Starkregenereignissen können negativere Folgewirkungen aufweisen als Jahre mit höherer Anzahl an Starkregen. Die Intensität der Einzelereignisse ist hier von besonderer Relevanz. Bei Eintreten der zugrunde gelegten Klimaprojektionen ist davon auszugehen, dass Starkregen in Zukunft häufiger und intensiver auftreten werden.

Entwicklung der Anzahl der Tage mit > 20 mm Niederschlag in der VG Annweiler am Trifels seit 1951.

Bodenerosion

Eine Folge des Klimawandels im Bereich der landwirtschaftlichen Bodennutzung ist die Veränderung des Risikos von Bodenerosion durch Wasser. Bodenerosion gilt als eine der Hauptgefahren für den Erhalt der Bodenfunktionen und somit auch für die nachhaltige Sicherung der Bodenfruchtbarkeit. Neben den Schäden durch den Verlust des Oberbodens auf der Erosionsfläche müssen weitere Folgeschäden beachtet werden. Hierzu zählen Hochwasserschäden, Ablagerungen des abgeschwemmten Bodens auf Verkehrs- und Siedlungsflächen, beeinträchtigte und dysfunktionale Kanalsysteme und Eutrophierung durch Nährstoffeinträge in Gewässer oder benachbarte Systeme. Die Verschlammung von Gewässern durch den erosionsbedingten Eintrag von Feinmaterial kann den aquatischen Lebensraum und die Gewässerökologie schädigen.

Im Raum Annweiler besteht aufgrund der Topographie eine erhöhte Gefährdung durch Bodenerosion und ihre Folgeschäden. Besondere Gefährdungsbereiche für Bodenerosion sind im Bereich Albersweiler, Queichhambach, südlich von Annweiler sowie Münchweiler, Stein und Silz auszumachen. Die Abbildung rechts beinhaltet als zusätzliche Information die durch Hochwasser gefährdeten Bereiche bei einem extremen Hochwasser (Wiederkehrrate seltener als alle 100 Jahre).

Erosionsgefährdung auf landwirtschaftlichen Flächen in der VG Annweiler am Trifels.
Flurstückbezogene Bodenerosions- und Hochwassergefährdung bei einem extremen Hochwasser an der Queich in Gräfenhausen, Queichhambach und Annweiler.

Hitze

Hitze stellt eine starke Belastung für den menschlichen Organismus dar. Vor allem sehr junge und ältere Menschen sind besonders betroffen, da ihr Organismus noch nicht oder nicht mehr ausreichend auf die Belastung reagieren kann. Im Raum Annweiler wird die Ausbildung von Hitze durch die naturräumlichen Gegebenheiten (Kessellage) begünstigt. Verstärkt wird die lokale Hitzeausbildung in Annweiler durch die Nähe zum Oberrheingraben und der niedrigen Höhenlage in den östlichen Ausläufern des Pfälzerwaldes.
Bei Überschreitung von 30 °C wird ein TaG als "Hitzetag" oder "Heißer TaG" definiert. Im Mittel werden in Annweiler 6 bis 7 Hitzetage im Jahr registriert. In Hitzesommern, wie 2003, 2015 oder 2018 übersteigt die Anzahl der Hitzetage das Mittel jedoch um ein Vielfaches, so bspw. 2018 mit 23, 2015 mit 25 und 2003 mit 30 Hitzetagen. Eine Häufung an Hitzetagen zeigt sich in Annweiler insbesondere seit den 2000er Jahren . Für die Zukunft ist von einer deutlichen Zunahme an Hitzetagen, Hitzeperioden und Tropennächten im Raum Annweiler auszugehen.

Entwicklung der Anzahl heißer Tage (Tmax > 30 °C) in der Verbandsgemeinde Annweiler am Trifels seit 1951.

Bei ausbleibender nächtlicher Auskühlung spricht man von einer "Tropennacht" (Temperatur sinkt nicht unter 20 °C). Gerade dies führt zu einer starken Belastung des menschlichen Organismus. Die Anzahl an Tropennächten ist derzeit im Raum Annweiler noch gering, bedingt durch die nächtliche Auskühlung der umliegenden Topographie und dem dadurch induzierten Kaltluftabfluss in die Stadt bzw. die umliegenden Ortsgemeinden (siehe Abschnitt Kaltluftverhalten und Frostgefährdung).

Kaltluftverhalten und Frostgefährdung

Kaltluftabflüsse sind wichtige, lokale Klimacharakteristika, die ganz wesentlich zur Frischluftversorgung von Siedlungsstrukturen beitragen können. Neben der Frischluftversorgung können sie zu Frostschäden bei kältesensiblen Kulturarten (z.B. Obst- und Weinbau) führen. Sie treten in windschwachen und wolkenarmen Nächten auf. Dabei kühlen sich der Erdboden und auch die darüber liegende Luftschicht ab, so dass diese Luftschicht kälter ist als die Umgebung. Grünes Freiland, D.h. Wiesen, Felder, Brachland und Gartenland mit niedriger Vegetationsdecke produzieren aufgrund ihrer nächtlichen Auskühlung 10 bis 12 Kaltluft pro und Stunde. Bei Waldflächen hängen die Kaltluftbildungsraten sehr stark von der Hangneigung ab. Sie liegen bei ebenem Gelände bei 1 bis 2 Kaltluft pro und Stunde und in geneigtem Gelände bei bis zu 30-40 Kaltluft pro und Stunde.

Überstreicht ein Kaltluftabfluss eine Emissionsquelle wie z. B. eine Fabrik oder eine stark befahrene Straße, so wird die kalte Luftmasse mit Luftinhaltsstoffen angereichert, so dass die Bedeutung einer Kaltluftströmung für die Frischluftversorgung von Siedlungsstrukturen herabgesetzt ist. Die dargestellte Situation beschreibt die Kaltlufthöhe drei Stunden nach einsetzen der Strömung. Die Darstellung basiert aus landesweit verfügbaren mit dem Modell GAKRP simulierten Daten.

Kaltluftbildung im Raum Annweiler (Quelle: LfU RLP).

Besonders durch Kaltluft gefährdete Kulturen sind der Obst- und Weinbau. Im Frühjahr nach dem Knospenaustrieb sind Weinlagen besonders frostgefährdet (Frostschaden ab -2 °C). Die folgende Karte zeigt die Ergebnisse einer Simulation zur Spätfrostgefährdung von Rebflächen in Albersweiler.

Spätfrostgefährdung von bestockten Rebflächen in Albersweiler.

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